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Sonntag, 10. Mai 2015

(Tim Burton, 2015) Big Eyes - Mai 2015


Sicher eine interessante Geschichte; diese Story gibts natürlich schon seit Jahrhunderten. Denn selbst, wenn Frauen sich die Malerei angeeignet hatten, obwohl das gar nicht vorgesehen war (also Naturtalente, Mädchen, die das bei ihrem Vater lernten, Frauen, die das bei ihrem Mann lernten usw.), hatten sie immer noch das mehr oder weniger unumgehbare Problem, die Bilder unter ihrem Namen auszustellen oder zu verkaufen, denn das war natürlich Männern vorbehalten. In diesem Fall sieht es noch etwas anders aus, hier nutzt der ein unfähiger Schwindler das Talent seiner Frau (Margaret Keane) aus, um als Maler berühmt zu werden. 
So eine Geschichte kann natürlich weder gut laufen noch gut enden - hier bleibt der Film überzeugend. Kleinere Ausbrüche surrealistischer Art (alle möglichen Leute laufen plötzlich mit riesigen Glubschaugen rum) kann man verkraften; so richtig aufgerollt wird der seelischen Zustand der Protagonistin jedoch nicht, dennoch wird die Rolle aber nachvollziehbar verkörpert durch Amy Adams. Vielleicht glaubt Burton, mit diesen hässlichen Glubschaugen-Ölgemälden die innere Verletzlichkeit der Malerin zu visualisieren? 
Christopher Waltz spielt in den ersten Passagen viel zu aufgebrezelt und unglaubwürdig (kaum zu glauben, dass eine Frau auf so jemanden reinfällt); in den restlichen zwei Dritteln jedoch so, wie man sich einen derartigen Schurken vorstellen kann.


Mittwoch, 18. März 2015

(George Clooney 2014) Monuments Men - 2015 März



Der Genter Altar wird eingepackt. Dann sieht man den fetten Göring, der geklaute Bilder einheimst. Dann eine Aufklärungs-Diashow: Worum gehts eigentlich? Dann - wie in den USA offensichtlich so üblich - finden sich im Handumdrehen ein paar smarte alte Kerle, die eigentlich noch Jungs sind, für eine Spezialaufgabe: Raubkunst finden. Die können's dann den Youngsters zeigen.  Noch ein Diavortrag, damit es auch der Dümmste versteht. Dann gehts los. Die Jungs kommen nach Europa, um die Welt-Kulturschätze vor den Barbaren zu retten (damals tatsächlich übrigens eine sehr bemerkenswerte Aktion -  heute wahrscheinlich nicht mehr möglich, man denke nur an die Verschrottung von Weltkulturerbe durch gehirnlose Islamisten).
Es geht weiter. Die Nazis, alle durch die Bank fiese Kerle, klauen Pariser Museen leer. Die Amis parlieren derweil zum Thema kulturelle Identität.
Auf der einen Seite ist das schon irre, dass irgendwelche spackigen Nazi halb Europa leerklauen und vor allem die Juden ausrauben; auf der anderen Seite muss man sagen, dass das schon immer zum guten Ton von Heerführer gehört hat; heute erledigt einen Teil dieser Geschäfte der internationale Antiquitätenhandel mit seinen Facetten. Weiter zum Film.
Spätestens ab Mitte des Films wird es etwas Indiana-Jones-mäßig; einige Einstellungen scheinen fast kopiert, wie etwa die große Lagerhalle mit den geklauten Kunstschätzen, es wird auch etwas rührselig; die Kulissen sind teilweise grottig. Entgegen den Ankündigungen ist das ja auch keine Doku, sondern ein Hollywood-Schinken mit seinen üblichen Showeinlagen, z.B. Gesang - fehlt nur noch, dass sie alle "zufällig" auf der Straße tanzen.
Als Kontrastprogramm müssen dann die Russen herhalten, die Gemälde wie die letzten Tölpel klauen und verpacken, und auch die Die NS-Führung mit ihrem "Nero"-Befehl. Zwischendurch ein wenig philosophisches Geschwafle, Schießereien, eine kleine Fast-Romanze, kurzweilige und auch äußerst bedrückende Entdeckungsaktionen, Kunstschätze verbrennende Nazis, Fahrt von Salzbergwerk zu Salzbergwerk ... der Film hat irgendwie doch etwas von einem Roadmovie.
Dann gehts in Ludwigs Micky-Maus-Schloss, bis oben hin vollgestopft mit Kunstwerken. Highlight ist schließlich die Rettung des Genter Altars und der Michelangelo-Madonna aus Brügge, eigentlich vor allem vor den Russen, die hier schon im Anmarsch sind (der alter Filmtrick: Mir ist jemand auf den Fersen, aber wie durch ein Wunder kann ich die Zeit dehnen). Der Rest wird leider von einem nervigen Off-Sprecher und einer Diashow begleitet und endet in einem dieser Sonnenunter- oder -aufgänge mit Opa und Enkel, na ja.

Sonntag, 15. März 2015

(Ridley Scott. 2014) Exodus - 2015 März



Also eigentlich liebe ich diese Schinken.
So finde ich auch diese Kulissen hier irgendwie interessant (zu aufgebrezelt allerdings), alles sehr symbolisch; dem Pharao und seinem Nachfolger fehlen nur noch die Rolex, dann könnte das ganze Ding gleich an der Wallstreet spielen (auch die Mädels laufen mit scharfer Unterwäsche und frisch vom Friseur gestyled rum). Die sehen auch alle aus wie nordmerikanische Yuppies. Aber das Luftbild von Memphis zum Beispiel hat echt was für sich. Dann gibts noch Geparden anstatt von Möpsen, Falken an Stelle von Kanarienvögeln und es gibt sogar eine Art Beamervortrag, ohne Beamer versteht sich, Schlangen im einem Vivarium statt Meerschweinchen; überall werden irgendwelche Pyramiden gebaut, bei den Nachtaufnahmen fühlt man sich an Bladerunner erinnert, die Möbel ähneln oft dem Gelsenkirchner Barock, vor dieser Sigourney Weaver wäre das Alien sofort geflohen, Höhlenszenen aus dem Herrn der Ringe, die ägyptischen Soldaten sehen aus die die Sturmtruppen aus Starwars - geil!
Es geht gleich richtig los. Ramses verhaut die Hethiter in einer Schlacht. Und damit es auch gleich richtig komisch zugeht, tritt Moses dabei ins Fettnäpfchen (nun soll er nämlich laut einer Weissagung Herrscher werden). Ramses ist daraufhin maulig. Moses dagegen zeigt Initiative reitet dorthin, wo es brennt. Die Hebräer haben keine Lust mehr, die Filmkulissen für den Pharao herzustellen. Kann man verstehen.
Zwischendurch gibts dann eine bildungsbürgerliche Einlage zum Thema "ausgesetzter Moses".
Der überaus aufrechte Moses vergrätzt dann einen Statthalter, der sich als fieser Möpp entpuppt und ihn als Hebräer outet. Bums ist Moses im Knast und muss durch eine Megawüste Ägypten verlassen. Das ist jetzt der Western-Teil des Films (musikmäßig übrigens auch) und die ganzen Mexikaner sind irgendwelche Wüstenbewohner. Eine schöne Frau taucht auf, schwupps ist Moses verheiratet.
Einige Jahre später müssen die Hebräer noch immer die Filmkulissen basteln, arbeiten aber für den Pharao nicht schnell genug. Moses ist auch älter geworden und sieht nicht mehr wie Iron Man aus.
Nun darf Gott das Drehbuch mitlesen und erscheint als kleiner Pöks und Schlag auf den Kopf, Moses wird Waffennarr und ist bums! wieder in Ägypten. Der Plan ist einfach: Die Hebräer müssen von A nach B. Dumm, dass da auch noch der Pharao ist. Um ihn zu überzeugen, verpasst Moses den Hebräern eine Kurzausbildung zu Guerilla-Kriegern. Und was bisher in dem Film gefehlt hat, kommt nun - eine Reihe schönster Explosionen (die Vorräte der Ägypter werden in die Luft gesprengt oder abgefackelt). Gott als kleiner Pöks hilft mit und frisst in Form zahlloser Krokodile Ägypter, lässt Millionen von Fischen verrecken und verpestet die Kornfelder mit roter Farbe (Blut?) usw.  Als die Pharaonenfrau in ihrem Bett ausnahmsweise keinen abgeschnittenen Pferdkopf aus der Pate sondern eine Horde glitschiger Frösche findet, die Insektenplage aus "Die Mumie" in dieses Filmstudio hier wechselt, plötzlich alle (außer den Hebräern, versteht sich) wie Zombies aussehen, einer Szene aus The Day after Tomorrow, plötzlichem Kindstod und diversem anderen Zeppzapp, ist es vorbei. Die Hebräer dürfen erst langsam loslatschen, aber der fiese Pharao ist hinter ihnen her (das obligatorische Autorennen). Aber dafür gibt es ja diese Mega-Ebbe im Roten Meer und der Pharao hat keinen Gezeiten-Kalender und ein Tornado aus Twister verirrt sich in das Studio (Filmmusik dazu: Conan-Sound).
Aber es ist noch nicht zu Ende. Wir erleben noch Moses, wie er die 10 Gebote in einen Styropor-Block ritzt. Dann gehts ab in den Sonnenaufgang.

Dienstag, 27. Januar 2015

(Morten Tyldum, 2015) - The Imitation Game, 2015 Januar



Tja, das ist wirklich schade um so eine interessante Story. Ein in der Regel oberflächliches Rumgetue um diesen tragischen Held, Alexander Turing, dem es gelingt, mit Hilfe einer genialen Neustrukturierung mathematischer Ideen eine Dechiffriermaschine zu entwickeln. Aber was sehen wir da im Film? Irgend so eine asthmatisch vor sich hinrasselnde Maschine, keiner kapiert, was dieselbe da macht. Dazu gibt  es einen Haufen Kritzeleien, die das Prinzip dieser Maschine illustrieren sollen und irgendwelches Gemurmle Turings. Absolut armselig. Der Regisseur unternimmt nicht einmal ansatzweise den Versuch, uns diese Ideen zu erklären. Statt dessen werden wir mit immer gleichen Shots aus einer Militärbaracke bombardiert, in der Turing und seine Mitstreiter herumbasteln. Und das sind noch gute Kulissen. Eine ganze Reihe von Shots sind schlicht katastrophal, was Kulissen und Matte-Paintings angelangt, dazu häufig solche, die wir alle sattsam aus andern Filme kennen, die Bilder aus dieser Zeit zeigen (z.B. Chroniken von Narnia) oder diese untergehenden Schlachtschiffe - Pennälerniveau. Völlig überflüssiges Zeugs. Da retten die eingeblendeten Originalaufnahmen auch nicht.
Dazu kommt dann dies stereotype Rumgelächle von Keira Knightley, ihre Reduktion auf Rehaugen-Rumgeleuchte und ihre Unfähigkeit, essentiell etwas zu dem Film beizutragen.
Cumbarbatch dagegen ist das Highlight des Films; er ist in der Lage, dieses ganze Auf und Ab, die Verschlossenheit, Genialität und und die tieftraurige Vernichtung Turings emotional eindringlich rüberzubringen.
Ein weiteres Highlight des Films ist die die Darstellung von Militär und Geheimdiesnst als skrupellose und widerliche Organisationen; das gelingt absolut überzeugend. Und das Turing letzendlich krankhaften, staatlich organisierten Schwulenhassern zum Opfer fällt, ja, das wird auch überzeugend vermittelt.

Mittwoch, 14. Mai 2014

(Paul Strand) Manhatta, 1921 - 2014 Mai



Link
Das ist ja fast so eine Art Life-Metropolis, in viele Szenen. Man sieht New York um 1920; Menschen, die zur Arbeit streben, auf Schiffen, in Straßen, leblose Straßenschluchten mit Menschengewimmel, Straßenarbeiter, Arbeit an Hochhäusern, Hafenbetrieb, Eisenbahnen, Ozeandampfer - ein Loblied der Moderne. Die Zwischentitel sind echt störend; sie preisen dieses Leben an (z.B. "iron Beauties") - kann man aber anhand der Bilder nicht nachvollziehen. Da muss man schon ein besonderes Faible für Technik haben, wenn man das gut findet (findet sich ja aber in vielen Filme und auch bei bildenden Künstlern aus dieser Zeit). Alles voller Dampf, die Menschen sind Ameisen. Aber als Illustration sehr schön, viele wechselnde Shots, seht statische Einstellungen, interessante Durchblicke, bizarre Formen, schräge Schatten, Diagonalen beherrschen die Szene.

Dienstag, 6. Mai 2014

(Jalil Lespert) Yves Saint Laurent - 2014 Mai


Link zum Trailer
Atmosphärisch meist gelungen, finde ich.  Nicht nur die Modenschauen kann man gut nachvollziehen, auch  diese Wohnatmosphäre in Paris und auch in Marrakesch hat was an sich (leider immer wieder mit einer Reihe identischer Shots - an Kulissen sparen?). Die Schauspieler wirken ziemlich hölzern, vor allem Pierre Berger, Laurent wirkt manchmal wie Harry Potter. Für mich animierend diese alten Kostüme, die Frisuren, die Räume, die Typen - das kann man wirklich goutieren; ebenso die Filmmusik, gut ausgewählt. Nervig sind diese Mehrfachbelichtungen, dieses Off-Gequatsche; wenn man Inhalte nicht darstellen kann, soll man´s lassen.
Ganz gut nachvollziehbar ist dieser arme Kerl in seiner Situation, manchmal erhascht man auch einen Blick auf seine Kreativität, das wird leider ziemlich untergebuttert; soll ja auch andererseits keine Doku sein. Auf diese Art und Weise bekommt andererseits man nicht mit, wieso Laurent so ein Star in der Modeszene war. Aber auf jeden Fall ist der Film kurzweilig, hat keine besondern Längen, leider eine ganze Reihe von Wiederholungen, auch bei den Shots, ist gut ausgeleuchtet und meist gut geschnitten. 

Mittwoch, 2. April 2014

Man Ray Le Retour à la Maison - 2014 März

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Ein ziemlich kurzer Film mit experimentellen Bildern. Manches geht kaum über Mélies hinaus, einige Einstellungen sind eher uninteressant (so der Jahrmarkt) oder zeigen deutliche Längen (wie diese dich drehenden Kartonstücke); im eigentlichen Metier ganz gut - Gegenstände auf dem Film, Zufallsstrukturen, Nahaufnahmen interessanter Details, so wie Man Ray auch sonst arbeitet; auch die Projektion von Streifen auf einen Körper am Schluss. Insgesamt doch sehr unzusammenhängend, was die Qualitäten der einzelnen Shots anbetrifft. Na gut, 1928 - da steckt das alles noch in den Kinderschuhen

Montag, 24. März 2014

Sunshine - 2014 März


Link zum Trailer

Eine Space-Reise. Häufig ähnliche Kulissen, Raumschiff von oben, von unten, immer der gleich Gang, viele Protagonisten sitzen immer nur rum und schauen sich ernst an, es gibt immerzu irgendwelche Flashbacks oder Film-Fab-Gewaber, die irre aussehen, von denen man aber nicht weiß, was sie bedeuten. Der Plot ist eigentlich gut, aber bis es zum Showdown kommt, wird der Film immer wieder mit eher ähnlichen Szenen ausgefüllt, bleibt aber gleichzeitig wegen der Schnitte und der Musik spannend.  Man wartet immerzu auf ein Alien, das gibts auch, ist aber ein religiös verrückter Raumpilot. Am Ende sind alle Teilnehmer der Mission tot, fast wie bei Shakespeare. Schauspieler sind zu Mannequin-mäßig. Manche der Einstellungen sind richtig gut, wenn z.B. Angst symbolisiert wird.