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Sonntag, 10. Mai 2015

(Eric Lartigau 2015) Verstehen Sie die Béliers? - Juni 2015


Ganz witziger Film; man hat jedenfalls viel zu lachen. Was mit gut gefallen hat, sind die im Film vorgestellten Charaktere, jede hat eine in sich differenzierte Rolle, also quasi fast vier Hauptrollen. Die beiden Handlungsstränge sind im Prinzip auch gut angelegt, der des Vaters wird nicht richtig durchgehalten (quasi durch eine negatives Deus ex machina beendet, der Abspann passt da überhaupt nicht), der der Tochter ist zwar vorhersehbar, aber, na ja, das endet alles ganz gut, Schwamm drüber. Die Schlußszene ist ziemlich platt - da sind die Tochter herzerreißend zum Thema Loslösung von den Eltern. Das ist ja gleichzeitig die Einladung, den Film zu sehen: endet gut, hübsche Tochter wird erwachsen, kann sich mit Anstand von den Eltern lösen, die findens auch letztendlich noch gut und dann das Mädel auch noch gut singen - was will man mehr. Die Lösung einer schwierige Lebenssituation wird hier in Form einer amüsanten Unterhaltung präsentiert - OK.
Die Schauspieler sind gut, manchmal sind die Nebenrollen etwas Stereotyp (z.B. der böse Bürgermeister vs einen im Leben stehenden Bauern; der irre Musiklehrer usw.). Was mich oft gestört hat, war die Beleuchtung; viel Kante mit leuchtenden Haarkränzen, komplett ausgeleuchtete Wohnungen (erinnert mich zu sehr an diese cleane Beleuchtung in den 60er-Hollywood-Filmen). Ansonsten wenig überflüssige Szenen, stimmige Sets. 

Dienstag, 17. März 2015

(Mikkel Norgaard 2015) Schändung - 2015 März



Alles nur Kinderschänder, diese Skandinavier. Kann man zumindest glauben, wenn man Krimis aus diesen Breitengraden liest oder Filme aus dieser Gegend sieht. Und woher kommen die Übeltäter? Das sind alles Angehörige der oberen Schichten: Ärzte, Unternehmer, kurz: Kerle, die ihre Kinder in Privatschulen schicken und in irgendwelchen hübsch eingerichteten Villen zusammen mit einer gestylten Blondine leben. Genau die Klientel für einen verlotterten und kontaktscheuen Inspektor, der nach jedem Fahndungserfolg wieder am Anfang steht: Nach der Aufklärung ist vor der Aufklärung.
So auch in "Schändung." Die Geschichte dreht sich um Verbrechen aus längst vergangenen Tagen. Der manisch von seinen Aufgaben besessene Mørck und sein Assistent wollen es aufklären und müssen eben dazu in den Villen gutsituierter Kerle oder in Privatschulen herumschnüffeln.
Mørck hat ein gutes Auge für fiese Kerle und erkennt sie eigentlich sofort: Großwildjäger, Antiquitätensammler, fette Rechtsanwälte, alles Typen, die als Schüler schon schlecht sind, rumtanzen oder gar koksen und rumvögeln, bevor ihre Zeit gekommen ist. Alles unangenehme Fetischisten, diese Vögel, die alte Bhs, Slips und dergleichen ihrer Opfer sammeln (nur keine alten Socken - wieso eigentlich nicht?).

Ein weißer Ritter, diese Figur vom Typ P. Marlow, der sich nur nicht selbst umbringt, weil irgendwelche Leute ihn brauchen. Wahrscheinlich meint er damit die Drehbuchschreiber.
Die Figuren sind wenig entwickelt: Mørck ist hauptsächlich unrasiert und hat wohl Magenschmerzen, sein Assistent guckt eigentlich nur freundlich rum, die Sekretärin macht einen quirligen Eindruck und der Rest der Bande schaut wenig ausdrucksstark in die Kamera. Und wie immer sind die Vorgesetzten unfähig und torpedieren die Arbeit der Auftrechten.
Frauen haben in dieser Szenerie eigentlich nichts zu suchen außer als Opfer, Hausmädchen-Ehefrau-Sekretärin, Femme Fatale und - wie sollte es anders sein - als heimtückische Verräterinnen, wie auch hier. Und natürlich die Rächerinnen, bekanntenmaßen viel furchtbarer als die Männer in ihrem Groll.
Und so werden wie in einem Shakepeare-Drama alle bösen Buben plattgemacht oder vergehen im Höllenfeuer. Peinlicherweise auch das zentrale Opfer selbst; da ist Adler genau so wie vielen anderen Schriftstellern nichts besseres eingefallen.
Szenisch aber ganz gut gemacht, vor allem die Kulissen, weniger die Maske (die Junkies sehen so aus, als würden sie gleich zum nächsten Opernball gehen), die Beleuchtung ist OK, man hat allerdings den Eindruck, dass auch bei den Filmbeleuchtern Energiesparen angesagt ist; auch die ohne Dialoge gefilmten Szenen sind gut aneinandergereiht - so kann man sich ganz gut in die Atmosphäre des Films hineinfinden, wenn auch die Einstellungen häufig ein wenig altbacksch sind. Gut sind auch die Rückblenden, die die Spannung des Films deutlich erhöhen.

Mittwoch, 11. März 2015

(Juan José Campanella, 2009) - In ihren Augen - 2015, März


Insgesamt gut gemacht, aber kompliziert. Da überlagern sich mehrere Geschichten:
  • Ein ehemaliger Gerichtsbeamter schreibt über einen lange zurückliegenden Mordfall.
  • Eine verborgene Liebe über 25 Jahre zwischen diesem Beamten und einer Richterin.
  • Die Geschichte des Mörders plus Sicherheitsdienst in Argentinien.
  • Die Geschichte eines Hinterbliebenen aus diesem Mordfall, dem Rächer.
  • Die Aufklärung des Mordfalls mit Irrungen und Wirrungen.

Dazu gibt es auch noch gleich zwei verschiedene Motti: Die Leidenschaft und den Schaden, den man nimmt, wenn man ihr folgt und den, wenn man ihr nicht folgt.

Das alles wird dem Zuschauer explizit zur Begutachtung vorgelegt.

Manche Dinge kommen deshalb in dem Film etwas zu kurz wie die "ausgesparten" 25 Jahre und einige der Motive.
Insgesamt sind aber die Schauspieler sehr authentisch - großes Lob; die Kameraführung ist super - sie spiegelt diese Beobachterrolle des Zuschauers gut wieder; Licht, Atmosphäre, Kulissen, Nebenrollen, die symbolischen Szenen sind gut angelegt; man weiß auch nicht, worauf das alles hinausläuft. Schwach sind die Maske und diese durch kurze Schnitte symbolisierten Gedankenfetzen am Ende (letzteres wäre nicht notwendig gewesen).




Dienstag, 6. Januar 2015

(James Marsh 2014) - Die Entdeckung der Unendlichkeit, 2014 Dezember


Hat mir gut gefallen, insbesondere der Hauptdarsteller, aber auch die sehr atmosphärische Darstellung von Cambridge, der Wohnungen, Plätze, Orte; da ist der Film ja fast wie eine Sozialstudie.
Erzählerisch ist der Film eher simpel konstruiert. Er zeichnet mehr oder weniger linear die Geschichte von Hawking nach und widmet "wichtigen" Episoden je ein angepasstes Quantum Zeit - das macht es aber für Zuschauer einfach, dieser Lebensgeschichte zu folgen.
Natürlich lernt man in so einem Film wenig über diese Schwarzen Löcher und weiteres Astronomengedöns - die wenigen Versuche des Films, dies metaphorisch auszudrücken, sind auch eher kläglich wie etwa dieser seltsame Rückwärts-Zeitraffer am Ende. Und natürlich fehlt auch der Auftritt bei dem Simpsons.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

(Hans Petter Moland 2014) Einer nach dem anderen - 2014 November


So eine Art "Fargo", aber in Norwegen spielend - da gibt es deutliche Parallelen. Die Handlung ist schon göttlich angelegt: Stellan Skarsgård spielt den Racheengel und erledigt eine Latte von Typen, die den Tod seines Sohnes (Drogenkriminalität) auf dem Gewissen haben. Zuerst ist das ziemlich brutal, dann wird's skurril (soll eine Krimikomödie sein).
Alle Figuren sind schon sehr überzeichnet und in polarisierter Gegenüberstellung, so wie z.B. der norwegische Oberdrogenhändler, ein extrem spackiger Typ, veganer Maseratifahrer mit psychischen Ausfällen - dagegengesetzt der als besonders solide gekennzeichnete Protagonist, ein Typ, der den lieben langen Tag mit einem Schneepflug durch die Landschaft gurkt.
Also, diese Drogenfuzzies will der Schneepflugfahrer alle umnieten; anfäglich schafft er das auch ganz gut.
In der Mitte wechselt der Film dann plötzlich die Handlung; eine serbische Gangsterbande mit Bruno Ganz als Boss erscheint, auch Dealer, es kommt dann zum Showdown zwischen den Norwegern und Serben. Es knallt dann unentwegt, zum Schluss sind fast alle tot, zwischendurch gibt es eine Reihe unglaublich grotesker Szenen, die den Film absolut sehenswert machen.
Schön gefilmt, Soundtrack ist gut. 

Samstag, 29. November 2014

(Hans Petter Moland 2010) Ein Mann von Welt - 2014 November



Eine irre Geschichte: "Nach zwölf langen Jahren wird Ulrik aus dem Gefängnis entlassen. Er musste eine Haftstrafe wegen Mordes verbüßen, weil er den Liebhaber seiner Frau umgebracht hat. Als sich die Gefängnistüre öffnet, steht er vor einer monotonen, trostlosen, verschneiten Landschaft. Niemand wartet auf ihn. Die Welt ist ihm fremd geworden. Fast hat es den Anschein, als würde er lieber im Gefängnis bleiben, statt frei zu sein und nicht zu wissen, was er jetzt mit sich anfangen soll." (Wikipedia).
So skurrile Schauspieler, Szenen und Dialoge erlebt man selten, alles wie aus dem Raritätenkabinett. Soll eine Komödie sein, ist es aber keineswegs. Die Personen wirken wie erstarrt, vollkommen unfähig zu normalem Handeln, alles traurige Figuren, da schüttelt es einen geradezu. Die Szenen sind nicht vorhersehbar, es geht andauernd hin und her, die Beziehungen zwischen ihnen sind ziemlich undurchsichtig, der Schluss ist genauso seltsam wie der Anfang. Meist gut in den Szenen, manchmal zu exaltiert, aber meist so bizarr, dass man eigentlich nicht mehr darüber lachen kann. Sonderpunkte für skurrile Filme.

Dienstag, 11. November 2014

(Zach Braff 2014) Wish I Was Here - 2014 Oktober




Fand ich ganz amüsant. Die Story, angeblich "Schauspieler sucht nach dem Sinn des Lebens", zeigt einen Wendepunkt im Leben eines abgehalfterten Schauspieler, dessen Vater im Sterben liegt. Natürlich (im Film) ist das die Zeit für eine Rückschau, für auseinandergelebt Beziehungen, Versöhnungen, hier durchmischt mit wirklich sehr witzigen Szenen und Situationskomik, jedenfalls für den, der das mag. Einige Witze sind wirklich umwerfend komisch. Ist auch teilweise eine interessante Sozialstudie, z.B. zu Privatschulen, Comic-Freaks, Hollywood (auch hier liegen natürlich Witze nah).
Natürlich gibts auch diese beknackten Szenen mit "Was tu ich, wenn ich wirklich originell und frei bin", sattsam bekannt aus allen möglichen Filmen. Da besteht Originalität darin, sich eine farbige Perücke zu kaufen, ha ha.
Wie auch immer, man kommt ganz gut unterhalten aus dem Kino.

Donnerstag, 17. Juli 2014

(Don McKellar), 2014 - Die große Versuchung - 2014 Juli

Link zum Trailer

Ist im Grunde genommen diese alte Kiste mit aufgedrehte Stadtmenschen gegen urige Landbewohner. Diesmal allerdings mit etwas mehr Raffinesse. Kennzeichen des Stadtbewohners sind nämlich nur noch irre Jazzmusik zu hören, leichtgläubig zu sein und eine schon längst in die Brüche gegangene Beziehung zu haben (eigentlich nicht viel, kennen wir ja auch ganz anders). Kennzeichen der Landbewohner ist es dagegen, zwar ziemlich urig bis hin zu bekloppt daherzukommen, aber durch die Moderne in eine haltlose Situation gekommen zu sein, und zwar vor Ort, also nicht in der Großstadt. Daraus entwickeln sich dann eine Reihe Täuschungen, Lügen, lustigen Aktionen, gewürzt durch "echte" Stadtbewohner (Hai-Menschen). Sehr unterhaltsam, Szenen sorgfältig komprimiert, verständliches Ende, gute Schauspieler, wenig Überflüssiges.

Donnerstag, 29. Mai 2014

(Marcel Carné) Juliette - 2014 Mai



Da wollte ich eigentlich die Oper Juliette in Bremen sehen und bin erst mal beim Film hängen geblieben, leider nur auf Französisch, dafür aber mit Gérard Philipe. 
Fängt an im Knast, Gérard - unrasiert - schläft und tagträumt von Juliette, plötzlich ist die Tür offen, Gérard - plötzlich rasiert - ist im Freien (fürchterliche aahhhlalaohhaa-Musik) und läuft auf ein Gebirgsdorf zu. Nun wird surreal: alle Bewohner haben ihr Gedächtnis verloren, wissen nicht einmal den Namen des Dorfs. Dann sieht´s scheinbar aus wie in den guten alten Zeiten: die Frauen waschen und quatschen, Männer sitzen oder laufen rum - wie bei Asterix und Obelix - aber keiner weiß, wo er ist, welche Zeit jetzt ist, was er will, sehr schön symbolisiert; ein perfektes surrealistisches Szenario. Gérard sucht Juliette, aber keiner weiß irgendwas, bis auf einen Akkordeonspieler, der sich erinnert, wenn er spielt. Plötzlich kennen alle Dorfbewohner irgendwelche Juliettes, dann wieder nicht, dargestellt von schrägen Typen. Dann erscheint sie selbst kurz. Ein Dorfbewohner führt Gerard auf den Friedhof, aber auch hier einige oder keine Juliettes.
Nun wird´s ziemlich irre; es gibt ein "Büro für Träume", Erinnerungen existieren nicht mehr, es gibt keine Erinnerungen an Liebe, auch an Verabredungen - so als wären alle dement; auch die Handlung wird zunehmend verwirrender, Fiktion und Wirklichkeit erscheinen austauschbar, sind wir in einem Traum oder nicht. 
Dann wechseln wir zu dem sehr steif spielenden Blaubart, ins Schloss, in dem Juliette erscheint, Gerard suchend und ein seltsamer Dialog hebt an, ab hier wird der Film dann leider zu dialoglastig. Auch Gerard erscheint in dem immer mehr surrealer wirkenden Schloss, trifft dann schließlich (im Dorf zurück, beim Dorffest) Juliette, die teilweise zusammenhangsloses Zeugs erzählt, manchmal hört sich das gar existenzialistisch an; sie vergisst Gerard, kehrt zu Blaubart zurück. Wie in Frankenstein erstürmen nun die Dorfbewohner das Schloss, Blaubart versucht Juliette zu heiraten ... und die Dorfbewohner erinnern sich an nichts, irres Geläute und bums ist er wieder in der Zelle zurück. Und nun tauchen einige "Traumfiguren" nochmals auf, incl. Juliette - ist das jetzt die Realität? Man weiß es nicht so recht, außerdem sind wir in Paris, Gerard flieht durch dunkle Gassen, findet eine verbotene Tür und landet wieder am Anfang des Films.
Abgesehen von einigen zu langen Dialogen, einigen steifen Figuren und reingepappten Kulissen hat mir der Fim ganz gut gefallen. So stelle ich mir surrealistische Filme ohne durchgeschnittene Augen vor.
Kulissen manchmal zu sehr reingepappt.




Montag, 21. April 2014

(Yves Klein) Anthropometries of the Blue Period and Fire Paintings: Two Performances (1960) , 2014 April


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Das ist dieser bekannte Film von Y. Klein; er als Pinguin, umgeben von Pinguinen und wohl situierten Damen, auf einer Malfläche drei wohlgeformte "Pinsel", die sich in blauer Farbe suhlen und ihren Körper auf Leinwände drücken. Y. Klein hat Podeste für die vorbereitet, die Modelle bemühen sich, möglichst graziös herumzulaufen und sich elegant mit Farbe einzuschmieren, der Meister kontrolliert die Drucke und flüstert den Modellen Kommandos zu. Ergebnis: diese berühmten, sehr archaisch wirkenden Körperabdrücke. Klein erläutert dann anschließend offensichtlich seinem Publikum sein Konzept (Stummfilm). Nächste Aktion: Feuerbilder, mit Feuerwehrmann und herumhopsendem Assistenten, Klein mit Krawatte und Weste mit Flammenwerfer, die Modelle werden mit Wasser besprüht, die Leinwand wird versengt, die Modelle drücken sich mit Farbe nochmals an die Leinwand. Wirkt etwas skurril, man kann aber etwas nachvollziehen, wie "modern" diese Werke für zeitgenössische Beobachter gewirkt haben müssen.

Donnerstag, 17. April 2014

(Viking Eggeling) Symphonie Diagonal - April 2014



Auch einer von den frühen abstrakten Filmen. Man sieht grafische Figuren, die an Teile von Kämmen erinnern, gebogene Linien die sich aufbauen oder wieder abbauen. Die Formen erinnern ein bisschen an Klee. Es ist so, als wolle Eggeling zeigen, dass Grafik oder Malerei aus ähnlichen Formen entsteht und wieder vergeht und man es so - als Film - gut begreifen kann. Es gibt mehrere Versionen im Netz, immer mit unterschiedlicher Musik unterlegt - das Original ist ohne Sound.

(Walter Ruttmann) Opus 1, 1921 - April 2014

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Ein Film von Ruttmann (Berlin, Sinfonie einer Großstadt); einer der der ersten abstrakten Filme in Farbe, übrigens einer von vieren. Man sieht unterschiedliche, farbige Flächen, die sich vor einem schwarzen Fond bewegen. Manchmal sind das Halbkreise, manchmal Formen wie Pinselstriche, manchmal Rechtecke, mal ganz zu sehen, mal durch eine schwarze Silhouette teilweise verdeckt. Die Farben changieren oft, die Bewegungen sind unterschiedlich schnell, manchmal fließend, manchmal die ein Pendel, manchmal sich aufblähend und dann verschwindend. Ruttmann, der ja als Maler angefangen hat, präsentiert hier so eine Art abstrakte "Malerei mit Zeit", bei der es vor allem auf Rhythmus ankommt. Unterlegt mit einer fabelhaften Musik von Max Butting, die genau das betont. Meine ersten Assoziationen dazu fand ich besonders interessant. Strukturell erinnerte mich das an die Rhythmen und Bewegungen von TV-Reklamen (Waschmittelpakete von links, fließen nach rechts unten), hier wie so eine Art Storyboard.

Mittwoch, 16. April 2014

(Marina Abramoviç) Four Performances (1975-76) - 2014 April


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Artist must be beautiful - der Film beginnt damit, dass Abramovic exzessiv ihre langen Haare kämmt, das Gesicht mitkämmt, sich mit der Bürste schlägt, insgesamt eher ein unerfreulicher Vorgang, uns immer wieder "Art must be beautiful, Artist must be beautiful" wie ein Mantra spricht, eine Selbstverletzung. Hier nur ein Auszug, Dauer 50 Minuten. Wer kann das schon aushalten?
TEIL 2, "Freeing the Voice" - kann man gut nachvollziehen, Abramovic liegt auf dem Rücken, Close Up, und "singt" oder schreit - so eine Art Übung, die man macht, um seine Tonlage zu finden, die man aber dann doch nicht findet, aber man sucht sich hier in seiner Tonlage, hat etwas Verzweifeltes. Hier nur ein Ausschnitt - das dauert mehrere Stunden, bis sie ihre Stimme verliert
Teil 3 "Freeing the Memory" - finde ich schwerer verständlich (liegt aber an der Videoqualität, in Kroatisch mit schlecht lesbarem Untertitel), eine Reihe von Wörtern von "Pickel" bis "Star" - eine Art Automatismus? Hört sich auch gequält an.
Schließlich landet man schließlich bei "Freeing the Body"; Dauer acht Stunden; Abramovic bewegt sich im Rhythmus von Bongos, nackt, mit verdecktem Gesicht, zunächst der Musik folgend, dann eher umkoordiniert, dann stürzt sie, völlig ausgelaugt, zu Boden, Film ist zu Ende.
Ihr wirklicher Körper - ohne Absichten, ohne Fähigkeiten, ohne die Möglichkeit, sich auszudrücken? Abramovic testet diese Grenze aus.
Die Filmqualität ist ziemlich lau, sehr verwaschen, unscharf. Was mir gut gefällt, sind die Großeinstellungen, die passen sehr gut zu den Themen der Performance.
Und was benz besonders interessant ist: Bei Youtube sieht man zuerst eine halb nackte Brasilianerin am Strand (genau das Thema), und wenn man sie anklickt, landet man bei "Bruzzler Bratwurst von Wiesenhof". Eine perfektere Visualisierung ihres Anliegens kann man sich schon gar nicht vorstellen.

(Felix Herngren) Der Hundertjährige, der aus dem Fenster ... 2014 April



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Also: Komödie ist nicht gleich Komödie. Hier haben wir so eine Art Posse, eine Aneinanderreihung burlesker Szenen.
Da gibt es zwei Handlungssträng: Allans vergangenes Leben, in dem die wichtigen Herren der vergangenen Weltgeschichte als Irre dargestellt werden und sein gegenwärtiges Leben, teilweise auch mit Idioten versehen, aber auch mit kernigen Typen, denen die Gegenwart nichts oder nur wenig anhaben kann.  So haben wir einerseits eine kurzweilige Reise durch die Vergangenheit, die der Protagonist offensichtlich nur mit Hilfe von Alkohol überleben kann und andererseits eine Reise durchs gegenwärtigen Leben, ähnlich strukturiert, auch nur mit viel Alkohol zu überleben.
Dies Flashbacks sind wunderbar in den Film integriert ohne dies übliche Off-Gerede oder verschwommene Bilder usw., man kapiert das schon sehr schön für sich, sehr konzentriert ohne überflüssige Längen.
Und so begegnen sich die beiden Ebenen des Films ganz gut: Lust an Sprengungen bei Allan, Lust an Zerstörungen bei den Weltfiguren, Planlosigkeit auf beiden Seiten, bizarre Dinge, die Änderungen verursachen, unfähige Charaktere usw. - die Schlacht der Guten gegen die Bösen, die damit endet, dass die Bösen sterben oder verblöden. Könnte man sich ja tatsächlich wünschen.
Insgesamt sehr unterhaltsam, die Schauspieler fand ich gut, vor allem die Rocker, die Kulissen passten ziemlich gut, was mich echt gestört hat, war Allans Maske, ziemlich steif und unglaubwürdig.

Samstag, 12. April 2014

(James Sibley Watson), Lot in Sodom , 1933 - April 2014


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Die Geschichte von Sodom, Gomorrha, Lot und seiner Frau. Entspricht ungefähr der biblischen Version, ist aber ein Experimentalfilm mit interessanten Gestaltungsideen wie Doppelbelichtungen, Symmetrie-Verdoppelungen, Spiegelungen, Geisterbildern usw. Der Film ist quasi vollständig mit Chiaroscuro-Effekt ausgestattet, wie auch immer, die Beleuchtung ist top gestaltet. Der Film  enthält viele ballet-ähnliche Szenen, auch viele Montagen, das sündhafte Leben wird am Thema Homosexualität verdeutlicht, wirkt ein bisschen so wie eine Theaterinszenierung einer griechischen Tragödie. Die Maske ist manchmal etwas schwach, die alten Stadtbewohner sehen teilweise wie "Film-Juden" mit Hakennasen und Schlafzimmerblick aus, Kulissen sind meist OK außer am Schluss (insgesamt ein wenig expressionistisch, manchmal zu pappig),  Die Filmmusik passt gut (Louis Siegel  - kenn ich nicht), manchmal Fee-Jazz-mäßig. 

(Ernö Metzner) Polizeibericht Überfall, 1928 - 2014 April



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Ein seltsamer Film, aber als zeitgenössische Studie sehr interessant. Gut erzählt, die Geschichte, ist ja ein Stummfilm, da gibt es besondere Anforderungen.
Einmal geht es thematisch um so eine Art Running Gag (ein Geldstück wechselt seinen Besitzer mehrfach, aber es löst auch die ganze Geschichte au und ist "der Hauptschuldige)), andererseits geht es um Angst und um Zusammenhanglosigkeit. Die Szenen wirken immer so, als ob gleich irgend etwas passiert und das Gefühl von Angst steigert sich. Nirgendwo ist der Protagonist sicher (wurde 1929 verboten, der  Film  sei „brutalisierend und demoralisierend“). Zum Schluss eine Reihe von Filmtricks, oft mit Zerrspiegeln - einen Alptraum mit seltsamen Chimären symbolisierend - auch gut gemacht. Strange aussehender Hauptdarsteller.
Man sieht Metzners Interesse an interessanten Naheinstellungen und wechselnden Schnittfolgen (erinnert ein bisschen an die Einstellungen bei Kuhle Wampe). Wenig Schwächen wie z.B. die Prügelei auf dem Fußboden.

Mittwoch, 9. April 2014

(Christian Paetzold) Barbara - 2014 April



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Bietet auf jeden Fall einen nachvollziehbaren Einblick in diese perfide Art der Kontrolle, mit der die DDR jeden überzog; die Schauspieler wirken gut platziert (allerdings: André kommt mir irgendwie zu schön vor); alle Achtung vor denjenigen, die das mit innerer Distanz oder mit ihrem täglichen Leben ausgehalten haben.
Der Erzählstrang ist eigentlich einfach, wird aber immer gebrochen durch die Ungewissheit, wer nun eigentlich den Fortgang der Handlung bestimmt: die Protagonistin, die Spitzel, die Lebensumstände oder die Stasi, so als ob man sich irgendwie im Nebel bewegt, dies aus der Sicht unterschiedlicher Personen in unterschiedlichen Lebenslagen - das wird gut vermittelt und ist nachvollziehbar.
Die Beleuchtung wirkt teilweise künstlich; die Aufnahmen wirken teilweise gestellt, sehr "gezeigt", fast wie Porträts. Der Hintergrund der Figuren ist manchmal kompliziert entworfen, geht nur über dialogische Rückblenden. Viele ähnliche Szenen (der Regisseur hat auch eine Vorliebe für Gespräche im Auto, auf dem Fahrrad - soll wahrscheinlich dynamisch wirken); häufig ähnliche Einstellungen (an Kulissen gespart) aber auch schöne, lange Shots, manchmal symbolbeladen (stürmische Landschaft, Abreise im Morgengrauen usw.). Sehenswert.

Samstag, 22. März 2014

Twelve Years a Slave - 2014 März

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Eindrucksvoll gefilmt; für mich zu viele Nahaufnahmen (gefühlt mindestens 1/3 des Films), die den Seelenzustand des Protagonisten symbolisieren sollen (dass es dem schlecht geht, dass es hoffnungslos ist usw. - das weiß man schon nach 10 Minuten). Gut finde ich diese Mischung von Gewalt und Bigotterie dargestellt, die die Monstrosität der Sklaverei illustriert (ob die allerdings alle so eher monströse, bösartigen Figuren waren, glaube ich nicht so recht, die waren wohl eher durchschnittlich - finde ich viel bedrohlicher); dazu passen auch gut die langen Shots, das Licht; die Musik ist naturgemäß melancholisch. Ein bisschen viel Folklore - irgendwie sollen wir lernen, woher Blues und Gospel kommen. Aber: der Film spricht einen emotional gut und richtig an.

Samstag, 15. März 2014

Kill your Darling - 2014 Februar


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Ausschnitt aus der Geschichte der Beat Generation. Es werden symbolisch Details beleuchtet, Schauspieler sind OK; Radcliff ein wenig zu schön aufgebrezelt. Gut finde ich dieses hektisch-collageartige, man kapiert aber nur in Ansätzen, wie morbide und bigott die amerikanische Gesellschaft war, kann man vielleicht in so einem Film auch nicht darstellen. Filmisch gut gemacht, nicht langweilig, gut geschnitten und auch beleuchtet.