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Dienstag, 17. März 2015

(Tizza Covi, Rainer Frimmel 2001) La Pivellina - 2015 März.


Ein kleines Mädchen schaukelt alleine gelassen auf einem Spielplatz. Und eine ältere Zirkusfrau mit irre rot gefärbten Haaren wie ein Feuermelder sucht ihren Hund. Wo ist die Mutter des kleines Kindes? Weiß niemand. So nimmt die Frau das kleine Mädchen mit nach Hause und verpflegt sie, zusammen mit ihrem Hund und einem Teenager. Das Mädchen hat einen Zettel dabei - die Mutter werde es irgendwann wieder abholen. 
Hier wird vorgeführt, worauf es im Leben wirklich ankommt: menschliche Wärme, Zuneigung, Verantwortung trotz schwieriger Umstände. 
Man lernt diese schrottige Wagenburg und einige seiner sehr authentisch wirkenden Bewohner gut kennen. Erinnert so ein bißchen an Rousseau-Utopien (die "einfachen" (aber etwas exotischen) Leute leben richtig und ungekünstelt.
Der Film ist angeblich an Originalschauplätzen gedreht, alles nur Laienschauspieler; er wirkt enorm authentisch, fast wie ein Dokumentarfilm und kommt ohne schnelle Schnitte, Rumgezoome und Autorennen aus. Und das genau macht die Besonderheit des Films aus.

Dienstag, 27. Januar 2015

(Costa Gavras, 1982 Vermisst - 2015 Januar



Ein super Regisseur und ein super Film. Die Geschichte spielt zur Zeit des Militärputsches (besser der CIA-Intrige) in Chile, 1973. Jack Lemon spielt absolut spitzenmässig die Verwandlung von einem New Yorker Businessman, der seinen in Chile vermissten Sohn wiederfinden will, zu einem aufmüpfigen, wütend suchenden Vater, der genau das wittert, was sich da damals abgespielt hat, nämlich ein CIA-Verbrechen. Sehr spannend, wirkt absolut authentisch, die Schauspieler zeigen keine Schwächen und man wird quasi gezwungen, der Erkenntnis-Linie des Vater zu folgen. Genial. 

Dienstag, 11. November 2014

(John Turturro, 2014) Plötzlich Gigolo - 2014 Oktober


Eine köstliche Komödie über einsame Großstädter(innen), Sex (naja, ein Film ohne Altersbeschränkung), jüdische Gebote und Verbote, Shmorim und dazwischen wuseln der schlitzohrige Woody Allen und John Turturro himself herum. Die Handlung ist zwar etwas verwickelt; so kapiert man nicht so recht, wieso Murray (Allen) mit dieser Othello und ihren Kindern zusammenlebt, sie bleibt aber insgesamt aber gut nachvollziehbar.
Auf jeden Fall werden hier verschiedenen Welten in ihren jeweiligen Besonderheiten gut gegeneinander gestellt: Murray als pleitegegangener Buchhändler mit seinem früheren Angestellten Fioravante auf der Suche nach einer neuen Geldquelle, die gelangweilten, reichen New Yorkerinnen auf der Suche nach erotischen Abenteuern und eine jüdischen Community in Brooklyn auf der Suche nach dem rechten Weg zwischen Beth Din und Einsamkeit; alles bleibt in Bewegung, sicher seht überzeichnet, aber ein Ausschnitt aus dem Leben. Toll gemacht.
Dazu gibts schöne Filmmusik und tolle Schauspieler.   

Freitag, 22. August 2014

(Johannes Naber), 2014, Zeit der Kannibalen - 2014 Juli



Link zum Trailer
Den Film fand ich wirklich gut. Ist eigentlich mehr so ein Kammertheater-Stück mit meistens zwei, in Partien auch drei Personen, wenige Nebenfiguren, über die Personengruppe Unternehmensberater, über die man häufig etwas in Zeitungen liest, wie z.B. heute im Weser-Kurier zum Thema "Kellogs wird nach Hamburg verlegt" (nicht dass ich den Hamburgern das nicht gönne).
Es geht um Macht auch im unmittelbaren persönlichen Umfeld, um Profitwillen ohne Rücksicht auf Verluste, um den Totalverlust persönlicher Integrität, um Versagensängste im Geschäft und in persönlichen Beziehungen und um Neurosen, die aus dieser Situation entstehen.
Kann man kaum glauben, dass ein drei-Personen-Stück fesselnd sein kann. Die Schauspieler sind gut gewählt, können ihre Rollen gut verdeutlichen, die Enge der Umgebung wird passend einbezogen (alles spielt in "neutralen" Hotelzimmern). Super.

Dienstag, 1. Juli 2014

(Charlie Siskel, John Maloof) 2014 - Finding Vivian Maier, 2014 Juli

Link zum Trailer
Ein Superfilm. Erst einmal ist die Story gut (würde man in Romanform als übertrieben betrachten); es geht um das Leben einer vollkommen unbekannten Fotografin, deren Oeuvre per Zufall entdeckt wird, dann sind die Fotografien dieser Frau unglaublich gut und interessant (so eine Mischung zwischen sozialdokumentarischer Fotografie, Weegie und Diane Arbus) und schließlich ist der Film genauso nerdmäßig wie die Fotos von Vivian Maier im Hinblick auf die Protagonisten. Da stimmt alles.

Samstag, 14. Juni 2014

(J.P. Hogan) Muriels Hochzeit, 1994 - 2014 Juni


Link (englische Fassung)
Hatte ich schon mal von 20 Jahren gesehen, wahrscheinlich darüber gelacht. Jetzt: ein bitterböses Komödiendrama (Dramedy), eine Sozialstudie, in Australien, in einer völlig kaputten Familie (hoffentlich ist es da nicht so).
Bestechend an dem Film: exzellente Schauspieler, auch in den Nebenrollen, weit verstreute Rollenschwerpunkte (also nicht, wie üblich maximal drei Protagonisten) und eine Handlungskonstruktion, die sich eigentlich kaum oder nur äußerst zäh entwickelt und trotzdem spannend bleibt.
Die hier behandelten Themen (eine an Schizophrenie grenzende Realitätsferne fast aller Personen) werden nur teilweise kontrastiv gegeneinander eingesetzt (so Muriel und dieser schöne Schwimmer), so bleibt der Film immer gut im vorstellbaren Rahmen, eine Art Sozialstudie eben. 

Freitag, 6. Juni 2014

(Giuseppe Tornatore), 1988, Cinema Paradiso - 2014 Juni


Link
Einer von meinen Lieblingsfilmen, diesmal auf Italienisch gesehen. Der Plot ist gut, das Thema ist gut, als Sozialstudie sehr interessant; man erlebt Italien, genauer gesagt Sizilien, am Ende des WK II bis in die 70er Jahre. Die Schauspieler sind super, vor allem der kleine Junge. Lediglich die Maske lässt manchmal etwas zu wünschen übrig. Und natürlich sind die zwischendurch zu sehenden Filmausschnitte interessant (Kino ist Leben - das ist auch die Botschaft des Films). Die Musik ist ein echter Ohrwurm, auch super.

Mittwoch, 23. April 2014

(Shirin Neshat) Turbulent - April 2014




Link

Shirin Neshat fand ich schon immer sehr interessant. Diese kurze Video, Teil einer Trilogie, zeigt 

im Splitscreen links einen iranischen(?) Sänger vor einem voll besetzten Haus, der voller Emotion ein Lied vor einem männlichen Publikum performt. Rechts daneben, verschleiert und zunächst von hinten, eine Frau, die nach dem Mann auftritt, vor leerem Saal. Zunächst eher konventionell beginnend, dann ein seltsames Gemisch aus Gesang, starken Halleffekten, eingeblendeten Sounds - das hört sich so an, als ob sich jemand seine Seele aus dem Leib schreien will. Schwarz-weiß, passt hier gut. 
Die gesungen Texte stammen aus Rumis Gedichte der Leidenschaft (13. Jh) , da heißt es zum Beispiel:
Wie lange kann ich klagen mit Schwermut in Herz und Seele? 
Mein Herz und Seele verbrennen in Agonie. 
Hört sich auf jeden Fall gut an; der Mann vor Männern, die diese Gesichte hören wollen und eine Fra, die sie erlebt. 

Montag, 7. April 2014

Jazz on a Summer´s Day - 2014 April

Part 1
So um die 16 Teile sind bei Youtube zu sehen.

Eben wiedergesehen. Ein toller Film mit kleineren Macken. Zunächst ist das gesamte Arrangement wunderbar - Newport, die Yachten, das Wasser, die Typen mit den scharfen Sonnenbrillen, und sowieso, eine kleine Modestudie, dieser Film. Dazu kommen die scharfen Auftritte wie z.B. von Anita O´day oder auch Dinah Washington. Schon deswegen sehr sehenswert. Dann finde ich auch die Verbindung von Hafen und Wasser, den Spiegelungen und Verzerrungen und der Musik in einigen Szenen einfach umwerfend gut gelungen. Natürlich ist die Musik toll - sowieso und vor allem für die die, die Jazz mögen. Dann gibt´s dann noch diesen ersten großen Auftritt von Chuck Berry mit blöde grinsenden Kollegen, noch etwas unbeholfen in der "Jazz"-Begleitung. Schön ist, dass man meist die gesamten Stücke hören kann, die Kamera nicht hin- und herwuselt, sondern eher langsame Schwenks, längere Shots bevorzugt; gut auch die vielen Zuschauerstudien.
Dieser kleine Handlungsstrang der Musiker, die durch die Stadt ziehen, wirkt insgesamt etwas unbeholfen und manchmal etwas kindergartenmäßig, nimmt aber insgesamt wenig Raum ein.

Sonntag, 16. März 2014

Ballet mecanique - 2014 März



Der einzige kubistische Film, den ich kenne. Ständig sich bewegende Elemente, die über Spiegel, Drehungen und unterschiedliche Kamerapositionen gefilmt werden. Meist sind das irgendwelche Glaskugeln, Propeller usw., auch Menschen mit einer absolut tollen Musik von Anteil. Muss man gesehen haben.