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Dienstag, 7. April 2015

(Miloš Forman 1984) Amadeus - 2015 April



Warum dieser Film als besonders gut gilt, ist mir schleierhaft. Die ganze Konstruktion ist beknackt und an den Haaren herbeigezogen. Salieri berichtet - diesmal als sichtbarer Sprecher aus dem Off - zum Thema Mozart. Er als alter Kerl ist erbärmlich schlecht gespielt, wirkt wie wie eine schlechte Karikatur; dazu kommt noch diese miserable Maske, dozierender Ton - unerträglich, zudem der gesamte Film dadurch ohne Funktion in die Länge gezogen wird. Das ist die gesamte Rahmenkonstruktion des Films. Zwischendurch wird's deutlich besser, nämlich dann, wenn der Hofstaat Wiens und die ganze adelige Mischpoke erscheint.
Mozart selbst wird sehr interessant gespielt - der ist einfach umwerfend; Salieri in mittlerem Alter ist auch ziemlich gut, Constanze bleibt blass und punktet nur durch Schönheit; Kaiser Joseph II ist eine sehenswerte Erscheinung.
Mit den historischen Elementen nimmt Foreman es nicht so genau, z.B. mit diesen Fernsehballett-Einlagen bei den Aufführungen; auch die Einbindung des Vaters, eigentlich eine sehr interessante Geschichte, ist nur über diese Briefe ist schwach geraten.
Filmisch oft gut gemacht, in den ersten zwei Dritteln sind die Einstellungen auch ziemlich gut, dann wird's sehr steif.
Versöhnlich stimmt einen dann die Musik, aber da gibt man besser sein Geld für eine CD aus.



Montag, 30. März 2015

(Olivier Assayas 2015) Die Wolken von Sils Maria - 2015 März


Ein altes Thema: Gespielte Rolle eines Schauspielers und dessen Persönlichkeit, diesmal gemixt mit dem Phänomen des Alterns - der Auffassung die man von den Welt früher hatte und die man heute von ihr hat, dargestellt anhand von Binoche und K. Steward; doppelt gemoppelt, weil die Binoche als junge Frau eine ältere Frau verführt hat (im Film, versteht sich) und diese Situation nochmals darstellen soll, diesmal als ältere Frau und so mit ihrer alter Rolle konfrontiert wird; und sie fühlt sich noch nicht so alt, wie sie aussieht. Aber wer tut das schon außer Iggy Pop.
Und wir alle dachten immer, das sind alles Profis, genauso gut einen Killerin, Eva Braun und Conchita Wurst darstellen kann, ohne dass sie davon irgendwie berührt sind. Banane! Hier gehts in dieser Frage total durcheinander, na ja, kann ja so sein.
Dann gibts natürlich noch die Schauspielerin, die die Rolle der jungen Frau übernehmen soll, die bringts dann noch weiter durcheinander, weil sie in der Vorstellungswelt der Binoche keinen Platz hat (aber im Film ganz gut rüberkommt).
Die alte Situation wird dann quasi analog mit der Binoche (älterer Frau) und ihrer Sekretärin (scharfe Tussi) nachgebildet. Von Erotik ist da aber keine Spur, jedenfalls nicht direkt, es geht vielmehr eher um unterschiedliche Interpretationen von Text- und Filminterpretationen, also Weltinterpretationen. Kann man eigentlich nicht klären, deshalb muss auch die Sekretärin nach zwei Dritteln des Films denselben verlassen - vielleicht kennt sie auch den Rest des Drehbuchs und flüchtet einfach.
Die junge Schauspielerin (Chloe Grace Moretz) bringt dann noch Paparazzi, Ehebruch, Science-Fiction und noch mehr Errungenschaften der Moderne mit ein - es wird allmählich ziemlich unübersichtlich, was den intellektuellen Nachvollzug des Films anbelangt. Dann gibts noch einen Regisseur - finde ich in seiner Rolle ziemlich blass, aber vielleicht sind die ja so. Bringt jedenfalls nicht viel.
Von der eigentlichen ist dieser Film jedenfalls wenig zu sehen, das ist vielmehr ein andauerndes Gequassle zwischen den Protagonisten, der Sprecher aus dem Off schlägt auch pausenlas in Form von Handy-Telefonaten zu (oder soll das vielleicht eine Kritik an der heutigen "schnellen Medienwelt sein - dann kommt sie aber um Jahre zu spät).
Aber: schöne Aufnahmen aus der Schweiz, denkt man jedenfalls, ist aber Tirol, passt auch wieder.

Dienstag, 17. März 2015

(Mikkel Norgaard 2015) Schändung - 2015 März



Alles nur Kinderschänder, diese Skandinavier. Kann man zumindest glauben, wenn man Krimis aus diesen Breitengraden liest oder Filme aus dieser Gegend sieht. Und woher kommen die Übeltäter? Das sind alles Angehörige der oberen Schichten: Ärzte, Unternehmer, kurz: Kerle, die ihre Kinder in Privatschulen schicken und in irgendwelchen hübsch eingerichteten Villen zusammen mit einer gestylten Blondine leben. Genau die Klientel für einen verlotterten und kontaktscheuen Inspektor, der nach jedem Fahndungserfolg wieder am Anfang steht: Nach der Aufklärung ist vor der Aufklärung.
So auch in "Schändung." Die Geschichte dreht sich um Verbrechen aus längst vergangenen Tagen. Der manisch von seinen Aufgaben besessene Mørck und sein Assistent wollen es aufklären und müssen eben dazu in den Villen gutsituierter Kerle oder in Privatschulen herumschnüffeln.
Mørck hat ein gutes Auge für fiese Kerle und erkennt sie eigentlich sofort: Großwildjäger, Antiquitätensammler, fette Rechtsanwälte, alles Typen, die als Schüler schon schlecht sind, rumtanzen oder gar koksen und rumvögeln, bevor ihre Zeit gekommen ist. Alles unangenehme Fetischisten, diese Vögel, die alte Bhs, Slips und dergleichen ihrer Opfer sammeln (nur keine alten Socken - wieso eigentlich nicht?).

Ein weißer Ritter, diese Figur vom Typ P. Marlow, der sich nur nicht selbst umbringt, weil irgendwelche Leute ihn brauchen. Wahrscheinlich meint er damit die Drehbuchschreiber.
Die Figuren sind wenig entwickelt: Mørck ist hauptsächlich unrasiert und hat wohl Magenschmerzen, sein Assistent guckt eigentlich nur freundlich rum, die Sekretärin macht einen quirligen Eindruck und der Rest der Bande schaut wenig ausdrucksstark in die Kamera. Und wie immer sind die Vorgesetzten unfähig und torpedieren die Arbeit der Auftrechten.
Frauen haben in dieser Szenerie eigentlich nichts zu suchen außer als Opfer, Hausmädchen-Ehefrau-Sekretärin, Femme Fatale und - wie sollte es anders sein - als heimtückische Verräterinnen, wie auch hier. Und natürlich die Rächerinnen, bekanntenmaßen viel furchtbarer als die Männer in ihrem Groll.
Und so werden wie in einem Shakepeare-Drama alle bösen Buben plattgemacht oder vergehen im Höllenfeuer. Peinlicherweise auch das zentrale Opfer selbst; da ist Adler genau so wie vielen anderen Schriftstellern nichts besseres eingefallen.
Szenisch aber ganz gut gemacht, vor allem die Kulissen, weniger die Maske (die Junkies sehen so aus, als würden sie gleich zum nächsten Opernball gehen), die Beleuchtung ist OK, man hat allerdings den Eindruck, dass auch bei den Filmbeleuchtern Energiesparen angesagt ist; auch die ohne Dialoge gefilmten Szenen sind gut aneinandergereiht - so kann man sich ganz gut in die Atmosphäre des Films hineinfinden, wenn auch die Einstellungen häufig ein wenig altbacksch sind. Gut sind auch die Rückblenden, die die Spannung des Films deutlich erhöhen.

Mittwoch, 11. März 2015

(Juan José Campanella, 2009) - In ihren Augen - 2015, März


Insgesamt gut gemacht, aber kompliziert. Da überlagern sich mehrere Geschichten:
  • Ein ehemaliger Gerichtsbeamter schreibt über einen lange zurückliegenden Mordfall.
  • Eine verborgene Liebe über 25 Jahre zwischen diesem Beamten und einer Richterin.
  • Die Geschichte des Mörders plus Sicherheitsdienst in Argentinien.
  • Die Geschichte eines Hinterbliebenen aus diesem Mordfall, dem Rächer.
  • Die Aufklärung des Mordfalls mit Irrungen und Wirrungen.

Dazu gibt es auch noch gleich zwei verschiedene Motti: Die Leidenschaft und den Schaden, den man nimmt, wenn man ihr folgt und den, wenn man ihr nicht folgt.

Das alles wird dem Zuschauer explizit zur Begutachtung vorgelegt.

Manche Dinge kommen deshalb in dem Film etwas zu kurz wie die "ausgesparten" 25 Jahre und einige der Motive.
Insgesamt sind aber die Schauspieler sehr authentisch - großes Lob; die Kameraführung ist super - sie spiegelt diese Beobachterrolle des Zuschauers gut wieder; Licht, Atmosphäre, Kulissen, Nebenrollen, die symbolischen Szenen sind gut angelegt; man weiß auch nicht, worauf das alles hinausläuft. Schwach sind die Maske und diese durch kurze Schnitte symbolisierten Gedankenfetzen am Ende (letzteres wäre nicht notwendig gewesen).




Donnerstag, 19. Februar 2015

(Alejandro González Iñárritu, 2015), Birdman 2015 Februar


Also nach diesem Film weiß ich noch genauer, warum ich kein Broadway-Star geworden bin :).
Das Schicksal kann hart sein zu denjenigen, die eigentlich Superman, im realen Leben aber Looser sind. Das ist das Thema des Films. Kennen wir aus Comic-Verfilmungen, aber nur als Comic-Story. Oder aus der Literatur, dann als Bruch zwischen Ideal und Wirklichkeit.
Diese Film betritt da Neuland. Hier bleiben die Grenzen zwischen Realität und Superman-Phantasie fliessend (eigentlich ein altes Thema - Stage und Backstage). Michael Keaton verkörpert einen Schauspieler, der die Ansprüche beider Rollen nicht genau voneinander unterscheiden kann, Backstage quasi auf der Bühne. So ergeben sich jede Menge skurriler Situationen, die allerdings mehr aneinander gereiht sind.
Insgesamt eine tolle, für die Rollen sehr passende Besetzung (wo hat Emma Stone bloss diese Glubschaugen her), die Schauspieler sind einfach gut in Gestik, Bewegung und Mimik; Schnitte und Shots gefallen mir auch sehr (keine nervigen Sekundenschnitte), auch die passende Filmmusik. Ein wenig nervig allerdings sind diese langen Shots in den Gängen hinter der Bühne, soll wohl irgendwas symbolisieren (Labyrinth, Einengung...?) sind aber eher nervig.

(Andrés Wood 2004) - Machuca, mein Freund, 2015 Januar



Ein Film über den Militärputsch in Chile, mehr oder weniger aus den Augen eines kleinen Jungen aus "gehobenen" Verhältnissen, der sich mit einem Jungen aus einem Art Slum anfreundet. Die Geschichte geht aus, wie auch der Putsch ausgeht: Der eine gewinnt, der andere verliert (im Film - der Vater aus dem Slum - "der eine hat Schuhe, der andere putzt sie").
So weit so gut. Leider wird die Perspektive des Jungen nicht so recht durchgehalten, die Figuren bleiben aus der Perspektive des Jungen blass, der aufzuklärende Zuschauer, wird mit "erklärenden" Nachrichten oder Fernsehbildern "informiert"; schade, aus der Perspektive des Jungen wäre das sicher sehr interessant gewesen; dazu läuft noch eine irre Geschichte mit der Mutter und ihren Liebhabern ab; sonst sind die Szenen gewählt, die die Brutalität des Regimes und die Haltung der gehobenen Schicht darstellen; auch die an und für sich sehr interessanten Schulszenen verlassen häufig die Perspektive des Jungen, schade.
Am Schluss des Films - eine fast traumhafte Szene im Slum - wird es dann schwach, das ist klare "Propaganda": Schaut mal, wie böse das Militär damals war (wars ja auch, aber inkonsistent vermittelt). Schade, ein Film mit so einem guten Ansatz, so einer richtigen Position; das reicht aber nicht aus, um einen guten Film zu machen (ja, ich weiss, dass er einen Preis bekomen hat).

Dienstag, 27. Januar 2015

(Costa Gavras, 1982 Vermisst - 2015 Januar



Ein super Regisseur und ein super Film. Die Geschichte spielt zur Zeit des Militärputsches (besser der CIA-Intrige) in Chile, 1973. Jack Lemon spielt absolut spitzenmässig die Verwandlung von einem New Yorker Businessman, der seinen in Chile vermissten Sohn wiederfinden will, zu einem aufmüpfigen, wütend suchenden Vater, der genau das wittert, was sich da damals abgespielt hat, nämlich ein CIA-Verbrechen. Sehr spannend, wirkt absolut authentisch, die Schauspieler zeigen keine Schwächen und man wird quasi gezwungen, der Erkenntnis-Linie des Vater zu folgen. Genial. 

(Morten Tyldum, 2015) - The Imitation Game, 2015 Januar



Tja, das ist wirklich schade um so eine interessante Story. Ein in der Regel oberflächliches Rumgetue um diesen tragischen Held, Alexander Turing, dem es gelingt, mit Hilfe einer genialen Neustrukturierung mathematischer Ideen eine Dechiffriermaschine zu entwickeln. Aber was sehen wir da im Film? Irgend so eine asthmatisch vor sich hinrasselnde Maschine, keiner kapiert, was dieselbe da macht. Dazu gibt  es einen Haufen Kritzeleien, die das Prinzip dieser Maschine illustrieren sollen und irgendwelches Gemurmle Turings. Absolut armselig. Der Regisseur unternimmt nicht einmal ansatzweise den Versuch, uns diese Ideen zu erklären. Statt dessen werden wir mit immer gleichen Shots aus einer Militärbaracke bombardiert, in der Turing und seine Mitstreiter herumbasteln. Und das sind noch gute Kulissen. Eine ganze Reihe von Shots sind schlicht katastrophal, was Kulissen und Matte-Paintings angelangt, dazu häufig solche, die wir alle sattsam aus andern Filme kennen, die Bilder aus dieser Zeit zeigen (z.B. Chroniken von Narnia) oder diese untergehenden Schlachtschiffe - Pennälerniveau. Völlig überflüssiges Zeugs. Da retten die eingeblendeten Originalaufnahmen auch nicht.
Dazu kommt dann dies stereotype Rumgelächle von Keira Knightley, ihre Reduktion auf Rehaugen-Rumgeleuchte und ihre Unfähigkeit, essentiell etwas zu dem Film beizutragen.
Cumbarbatch dagegen ist das Highlight des Films; er ist in der Lage, dieses ganze Auf und Ab, die Verschlossenheit, Genialität und und die tieftraurige Vernichtung Turings emotional eindringlich rüberzubringen.
Ein weiteres Highlight des Films ist die die Darstellung von Militär und Geheimdiesnst als skrupellose und widerliche Organisationen; das gelingt absolut überzeugend. Und das Turing letzendlich krankhaften, staatlich organisierten Schwulenhassern zum Opfer fällt, ja, das wird auch überzeugend vermittelt.

Montag, 12. Januar 2015

(Paolo Virzi, 2014) Die süße Gier - 2015 Januar



Was der italienische Titel - Il capitale umano - quasi Humankapital - bedeutet, erfährt man zuletzt. Da finde ich den deutschen Titel für den Film eigentlich besser gewählt, denn darum gehts. Alle sind gierig nach Geld, Macht, Einfluss und betrügen und lügen unverdrossen. Und es endet wie  schließlich wie in der Welt außerhalb des Kinos ist: Die Armen ziehen den Kürzeren.
Eigentlich birgt der Film einen fast klassisch anmutenden Tragödienstoff in sich. Serena, attraktive Tochter eines fiesen Börsenzockers, wird vor eine Entscheidung gestellt, die auf jeden Fall ungünstig ausgehen wird. Es geht, fast wie in einem Krimi, um den Verursacher eines schweren Verkehrsunfalles; um die Lösung diesen Falls rankt sich die ganze Geschichte. Besonders: Diese wird jeweils aus den Perspektiven verschiedener Protagonisten immer neu erzählt - nicht langweilig, sondern immer in Verbindung mit den besonderen Lebensperspektiven dieser Personen; das ist wirklich gut gelungen.
Schauspielerisch super; die Figuren kommen emotional so dicht an einen heran, dass man sich schütteln möchte.

Dienstag, 11. November 2014

(Mike Leigh 2014) Turner - 2014 November



Der Film hieße besser "Elendes Geröchel" oder so ähnlich: Dauernd wird geröchelt, gespuckt, geschnaubt. An und für sich habe ich mich sehr auf diesen Film gefreut, denn ich liebe Filme, in denen gezeigt wird, wie Künstler arbeiten. Aber Banane. Erst einmal malt der Darsteller (T. Spall) keineswegs so, wie wahrscheinlich Turner gemalt hat und dann sind das auch noch wenige, kurze Szenen.
Hauptsächlich ist zu sehen, wie Turner pausenlos mit dem griesgrämigsten Gesicht herumläuft und bis auf seinen Vater alle so schlecht behandelt, wie er nur kann, mal von einigen Episoden mit seiner"Nebenfrau" abgesehen. Und so entwickelt sich kaum etwas an Handlung, Turner wird auch nicht älter (im Film spielt zwischen 1828/29 und 1851), schlurft nur krummpuckelig und schlampig rum, ranzt fast alle nur an und die Mißmut in Person. Im Gegensatz dazu sind die Städte und Wohnungen geradezu sonntäglich herausgeputzt, die Straßen frisch mit Sand bestreut. Außer einigen Passagen in der Akademie, Posen vor Sonnenuntergängen und einem Techtelmechtel passiert da eigentlich nicht viel.
Mile Leih ist zudem offensichtlich der Meinung, dass es damals hauptsächlich Sonnenauf- und -untergänge oder entsprechende Stimmungen zu sehen gab. Diese dominieren jedenfalls die Bildauswahl. Das wäre ja ziemlich naiv anzunehmen, dass Turner seine Art von Bildern malt, weil er ständig diese Tagesstimmungen sieht.
Aber: Ein echtes Highlight sind diese wunderschönen Interieurs in diesem Film. Beeindruckende Möbel, wunderschönes Porzellan, tolle Gläser; leider natürlich alles zu kurz.
Tja, schade, schade.

Montag, 27. Oktober 2014

(Fatih Akin, 2014), The Cut - 2014, Oktober



Guter Film. Manchmal ein wenig kitschig beleuchtet (hat aber auch solche Traumszenen); einige der Studioaufnahmen sind ziemlich grottig, da riecht man förmlich die Kulisse und auch manche Darsteller kommen daher wie aus einem Hollywood-Studio, der Protagonist wirkt eigentlich den ganzen Film durch zu jung.
Aber: Die Story kommt ziemlich authentisch rüber. Gott sei Dank verzichtet Akin auf appe Köpfe, Splatterszene, langweilige Verfolgungsjagden und dergleichen und konzentriert sich mehr auf "alltägliche" Szenen, so deprimierend und brutal die manchmal auch sein mögen.
Die irre Konstruktion einer Suche nach den Kindern rund um die Welt signalisiert uns die ganze Verrücktheit dieses unvorstellbaren Gemetzels an den Armeniern, deren entwürdigende Behandlung usw. (nebenbei: verständlich wird die Verneinung dieses Völkermords wahrscheinlich, wenn man sich vorstellt, dass noch so manche türkische Familie auf von Armeniern geklauten Möbeln sitzt, von den von ihnen geraubten Tellern isst und sein Bankkonto mit beschlagnahmten oder sonstwie geklemmten Geldern aufgepolstert hat - ähnlich wie man in Deutschland nach 45 mit den den Juden gestohlenen Dingen verfahren hat).
Wie auch immer: diese manchmal etwas traumhaften Sequenzen machen einem das vielleicht leichter, diese unvorstellbaren Schicksale nachzuvollziehen; möglicherweise ist das ja den Leuten damals auch so gegangen, denn vorstellen kann man sich eine solche Situation so recht nicht.

Freitag, 22. August 2014

(Johannes Naber), 2014, Zeit der Kannibalen - 2014 Juli



Link zum Trailer
Den Film fand ich wirklich gut. Ist eigentlich mehr so ein Kammertheater-Stück mit meistens zwei, in Partien auch drei Personen, wenige Nebenfiguren, über die Personengruppe Unternehmensberater, über die man häufig etwas in Zeitungen liest, wie z.B. heute im Weser-Kurier zum Thema "Kellogs wird nach Hamburg verlegt" (nicht dass ich den Hamburgern das nicht gönne).
Es geht um Macht auch im unmittelbaren persönlichen Umfeld, um Profitwillen ohne Rücksicht auf Verluste, um den Totalverlust persönlicher Integrität, um Versagensängste im Geschäft und in persönlichen Beziehungen und um Neurosen, die aus dieser Situation entstehen.
Kann man kaum glauben, dass ein drei-Personen-Stück fesselnd sein kann. Die Schauspieler sind gut gewählt, können ihre Rollen gut verdeutlichen, die Enge der Umgebung wird passend einbezogen (alles spielt in "neutralen" Hotelzimmern). Super.

Freitag, 6. Juni 2014

(Giuseppe Tornatore), 1988, Cinema Paradiso - 2014 Juni


Link
Einer von meinen Lieblingsfilmen, diesmal auf Italienisch gesehen. Der Plot ist gut, das Thema ist gut, als Sozialstudie sehr interessant; man erlebt Italien, genauer gesagt Sizilien, am Ende des WK II bis in die 70er Jahre. Die Schauspieler sind super, vor allem der kleine Junge. Lediglich die Maske lässt manchmal etwas zu wünschen übrig. Und natürlich sind die zwischendurch zu sehenden Filmausschnitte interessant (Kino ist Leben - das ist auch die Botschaft des Films). Die Musik ist ein echter Ohrwurm, auch super.

Freitag, 9. Mai 2014

(Francois Ozon) Jung und schön, 2014 Februar



Link zum Trailer
... hatte ich ganz vergessen, dass ich den gesehen hatte, hat keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich weiß nicht, wer sich sowas Blödes ausdenkt. Ein alter Typ hat einen Herzinfarkt, während er mit einer jungen, optisch und sonst irgendwie "frischen" minderjährigen Frau vögelt, ein Stereotyp erster Klasse, angeblich Wunschvorstellung aller Männer vom "schönen Tod". Und der Zuschauer darf mal mit rein in die Hotelzimmer, wenn´s zur Sache geht. Gähn - diesen Ansatz kennen wir seit der Kameliendame.
Darum rankt sich handlungsmäßig die ganze Story.  Um alles ist noch eine Familiengeschichte mit Freunden angesiedelt: das Mädchen macht den Adoptivvater scharf, die Mutter - hat natürlich auch eine Affäre - versteht ihre Tochter nicht (kommt mit auch bekannt vor); Gelaber beim Psychologen - sie hat diese Lolita-Nymphmain-Veranlagung, ein eher literarisches Konstrukt, das irgendwie alle männlichen Regisseure reizt, herrje nochmal.
Wie kriegt man da noch einen anständigen Schluss hin? Lolita versöhnt sich mit der Frau ihres "Geliebten" - wussten wir schon immer, dass bei Frauen angeblich so eine "ich-versteh-dich-Kiste" haben sollen, die Große Mutter, die alle Konflikte an ihren Busen drückt und so eliminiert.

Dienstag, 6. Mai 2014

(Jalil Lespert) Yves Saint Laurent - 2014 Mai


Link zum Trailer
Atmosphärisch meist gelungen, finde ich.  Nicht nur die Modenschauen kann man gut nachvollziehen, auch  diese Wohnatmosphäre in Paris und auch in Marrakesch hat was an sich (leider immer wieder mit einer Reihe identischer Shots - an Kulissen sparen?). Die Schauspieler wirken ziemlich hölzern, vor allem Pierre Berger, Laurent wirkt manchmal wie Harry Potter. Für mich animierend diese alten Kostüme, die Frisuren, die Räume, die Typen - das kann man wirklich goutieren; ebenso die Filmmusik, gut ausgewählt. Nervig sind diese Mehrfachbelichtungen, dieses Off-Gequatsche; wenn man Inhalte nicht darstellen kann, soll man´s lassen.
Ganz gut nachvollziehbar ist dieser arme Kerl in seiner Situation, manchmal erhascht man auch einen Blick auf seine Kreativität, das wird leider ziemlich untergebuttert; soll ja auch andererseits keine Doku sein. Auf diese Art und Weise bekommt andererseits man nicht mit, wieso Laurent so ein Star in der Modeszene war. Aber auf jeden Fall ist der Film kurzweilig, hat keine besondern Längen, leider eine ganze Reihe von Wiederholungen, auch bei den Shots, ist gut ausgeleuchtet und meist gut geschnitten. 

Dienstag, 15. April 2014

(Godard) Die Verachtung - 2014 April

So liest BB

Link (ein Schnelldurchlauf, sehr witzig)

Eine super Zusammenstellung: Fritz Lang, BB, Piccoli, die Vorlage von Moravia und ein Film über Odysseus, spielt auch noch in Rom und - es soll um de Geschichte dieser Welt gehen.
Trotzdem schwächelt der Film, BBs Hintern sollte ihn retten. Hat aber nicht geklappt.
Cooler Vorspann mit den Credits. Danach BB wie ein Bild von Boucher auf dem Sofa. Da hat also Kubrick in Eyes Wide Shut die Farbsymbolik her.
Eigentlich ein langweiliges Thema: Amerika gegen Frankreich, umgesetzt durch Film im Film, das fängt schon mit der Sprache und der Gestik an und das Thema Penelope und Odysseus versteht man hier überhaupt nicht (ist aber natürlich bei Moravia vorhanden).
Alles ist zerbröselt, der Film spielt in einer völlig heruntergekommenen Kulissenstadt - das ist das Leben. Die Odyssee - jedenfalls, was man da zu sehen bekommt - ist dürftig und wird schulmeisterlich kommentiert, kann man sich nicht vorstellen, dass der rumschwafelnde Fritz Lang so einen blöden Film mit bunt bemalten Gipsfiguren und statuarisch herumstehenden Protagonisten drehen würden. Vielleicht hat Godard diese unerträglichen Filme mit Kirk Douglas so aufgefasst? Sogar Jack Palance fällt das auf, der als Prototyp von Unflätigkeit dargestellt wird. Dieses Kapitel ist jedenfalls hölzern und simplifizierend.
Jack kapert dann die zuerst schmollende BB, der Einbruch der Amis in die französische Privatsphäre. Bis dahin noch einigermaßen abwechslungsreich, wird der Film nun langweilig; dummes Gequatsche, immer wieder eingeblendete Statuen, Rumgelaufe.
Wir landen in Picolits/BBs (Luxus)Wohnung (armer Drehbuchschreiber/Stenotypistin?). Noch mehr Gequatsche, das Paar verkleidet sich, sie laufen nun wie griechische Statuen herum (allerdings mit Badetüchern), redet aneinander vorbei, dazu auch noch Sprecher aus dem Off, vorige Einstellungen kommentierend, und schwache Flashbacks. irgendwelche Ehestreitereien, Piccoli zupft immerzu an seiner Krawatte rum und rückt seinen Hut zurecht, alles voller Kleinsymbolismus. Nur BBs nackter Hintern "rettet" diesen Abschnitt, sieht aber aus wie diese bekannten MM-Fotos - was denn nun?  Die Szenen schließen ab mit unerträglichem Gefasel von Lang. Nebenbei: die Filmmusik ist unerträglich. Ständig dieses "ta ta ta ta tatuttuti, ta ta ta ta tatuttuti", dann eine Oktave höher noch mal, dann wieder ein Quart runter ...
Nächste Szene: dummes Gerede über die Odyssee, so eine Art hobbypsychogisches Getratsche. Dann endlich das visuelle Highlight: die Villa Malaparte. BB schmust mit Jack, Piccoli merkt´s, gibt den Job auf (eigentlich der Kern der ganzen Angelegenheit bei Moravia), allgemeines Sinnieren über Geld, homerische Welten, teilweise gefilmt wie Szenen in einem mittelmäßigen Kammertheater. Alles voller Symbole: Mit der Beziehung geht´s abwärts, die beiden laufen alle verfügbaren Trennen runter. Dann ein Deus-ex-machina-Ende mit Unfall.
Fazit: Amerikaner tot; treulose, zu den Amis übergelaufene BB auch tot, schöner Alfa kaputt, Lang dreht weiter, Piccoli schreibt lieber ein Theaterstück.

Mittwoch, 9. April 2014

(Christian Paetzold) Barbara - 2014 April



Link zum Trailer
Bietet auf jeden Fall einen nachvollziehbaren Einblick in diese perfide Art der Kontrolle, mit der die DDR jeden überzog; die Schauspieler wirken gut platziert (allerdings: André kommt mir irgendwie zu schön vor); alle Achtung vor denjenigen, die das mit innerer Distanz oder mit ihrem täglichen Leben ausgehalten haben.
Der Erzählstrang ist eigentlich einfach, wird aber immer gebrochen durch die Ungewissheit, wer nun eigentlich den Fortgang der Handlung bestimmt: die Protagonistin, die Spitzel, die Lebensumstände oder die Stasi, so als ob man sich irgendwie im Nebel bewegt, dies aus der Sicht unterschiedlicher Personen in unterschiedlichen Lebenslagen - das wird gut vermittelt und ist nachvollziehbar.
Die Beleuchtung wirkt teilweise künstlich; die Aufnahmen wirken teilweise gestellt, sehr "gezeigt", fast wie Porträts. Der Hintergrund der Figuren ist manchmal kompliziert entworfen, geht nur über dialogische Rückblenden. Viele ähnliche Szenen (der Regisseur hat auch eine Vorliebe für Gespräche im Auto, auf dem Fahrrad - soll wahrscheinlich dynamisch wirken); häufig ähnliche Einstellungen (an Kulissen gespart) aber auch schöne, lange Shots, manchmal symbolbeladen (stürmische Landschaft, Abreise im Morgengrauen usw.). Sehenswert.

Samstag, 15. März 2014

Die Kunst des Ausklangs - 2014 Januar


Link zu Trailer

Interessanter Film. Man kriegt die Kurve zur japanischen Kultur nicht so richtig, aber in den Details ziemlich skurril, trotzdem fasziniert der Film wegen seiner unmittelbaren Nachvollziehbarkeit. Ist in sich konsistent, wirkt authentisch; die Schauspieler wirken seht individuell und lebensnah. Wegen den Länge der Shots kann man sich atmosphärisch gut in den Film reinfinden.

Kill your Darling - 2014 Februar


Link zum Trailer

Ausschnitt aus der Geschichte der Beat Generation. Es werden symbolisch Details beleuchtet, Schauspieler sind OK; Radcliff ein wenig zu schön aufgebrezelt. Gut finde ich dieses hektisch-collageartige, man kapiert aber nur in Ansätzen, wie morbide und bigott die amerikanische Gesellschaft war, kann man vielleicht in so einem Film auch nicht darstellen. Filmisch gut gemacht, nicht langweilig, gut geschnitten und auch beleuchtet.