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Sonntag, 10. Mai 2015

(Tim Burton, 2015) Big Eyes - Mai 2015


Sicher eine interessante Geschichte; diese Story gibts natürlich schon seit Jahrhunderten. Denn selbst, wenn Frauen sich die Malerei angeeignet hatten, obwohl das gar nicht vorgesehen war (also Naturtalente, Mädchen, die das bei ihrem Vater lernten, Frauen, die das bei ihrem Mann lernten usw.), hatten sie immer noch das mehr oder weniger unumgehbare Problem, die Bilder unter ihrem Namen auszustellen oder zu verkaufen, denn das war natürlich Männern vorbehalten. In diesem Fall sieht es noch etwas anders aus, hier nutzt der ein unfähiger Schwindler das Talent seiner Frau (Margaret Keane) aus, um als Maler berühmt zu werden. 
So eine Geschichte kann natürlich weder gut laufen noch gut enden - hier bleibt der Film überzeugend. Kleinere Ausbrüche surrealistischer Art (alle möglichen Leute laufen plötzlich mit riesigen Glubschaugen rum) kann man verkraften; so richtig aufgerollt wird der seelischen Zustand der Protagonistin jedoch nicht, dennoch wird die Rolle aber nachvollziehbar verkörpert durch Amy Adams. Vielleicht glaubt Burton, mit diesen hässlichen Glubschaugen-Ölgemälden die innere Verletzlichkeit der Malerin zu visualisieren? 
Christopher Waltz spielt in den ersten Passagen viel zu aufgebrezelt und unglaubwürdig (kaum zu glauben, dass eine Frau auf so jemanden reinfällt); in den restlichen zwei Dritteln jedoch so, wie man sich einen derartigen Schurken vorstellen kann.


Donnerstag, 29. Mai 2014

(Marcel Carné) Juliette - 2014 Mai



Da wollte ich eigentlich die Oper Juliette in Bremen sehen und bin erst mal beim Film hängen geblieben, leider nur auf Französisch, dafür aber mit Gérard Philipe. 
Fängt an im Knast, Gérard - unrasiert - schläft und tagträumt von Juliette, plötzlich ist die Tür offen, Gérard - plötzlich rasiert - ist im Freien (fürchterliche aahhhlalaohhaa-Musik) und läuft auf ein Gebirgsdorf zu. Nun wird surreal: alle Bewohner haben ihr Gedächtnis verloren, wissen nicht einmal den Namen des Dorfs. Dann sieht´s scheinbar aus wie in den guten alten Zeiten: die Frauen waschen und quatschen, Männer sitzen oder laufen rum - wie bei Asterix und Obelix - aber keiner weiß, wo er ist, welche Zeit jetzt ist, was er will, sehr schön symbolisiert; ein perfektes surrealistisches Szenario. Gérard sucht Juliette, aber keiner weiß irgendwas, bis auf einen Akkordeonspieler, der sich erinnert, wenn er spielt. Plötzlich kennen alle Dorfbewohner irgendwelche Juliettes, dann wieder nicht, dargestellt von schrägen Typen. Dann erscheint sie selbst kurz. Ein Dorfbewohner führt Gerard auf den Friedhof, aber auch hier einige oder keine Juliettes.
Nun wird´s ziemlich irre; es gibt ein "Büro für Träume", Erinnerungen existieren nicht mehr, es gibt keine Erinnerungen an Liebe, auch an Verabredungen - so als wären alle dement; auch die Handlung wird zunehmend verwirrender, Fiktion und Wirklichkeit erscheinen austauschbar, sind wir in einem Traum oder nicht. 
Dann wechseln wir zu dem sehr steif spielenden Blaubart, ins Schloss, in dem Juliette erscheint, Gerard suchend und ein seltsamer Dialog hebt an, ab hier wird der Film dann leider zu dialoglastig. Auch Gerard erscheint in dem immer mehr surrealer wirkenden Schloss, trifft dann schließlich (im Dorf zurück, beim Dorffest) Juliette, die teilweise zusammenhangsloses Zeugs erzählt, manchmal hört sich das gar existenzialistisch an; sie vergisst Gerard, kehrt zu Blaubart zurück. Wie in Frankenstein erstürmen nun die Dorfbewohner das Schloss, Blaubart versucht Juliette zu heiraten ... und die Dorfbewohner erinnern sich an nichts, irres Geläute und bums ist er wieder in der Zelle zurück. Und nun tauchen einige "Traumfiguren" nochmals auf, incl. Juliette - ist das jetzt die Realität? Man weiß es nicht so recht, außerdem sind wir in Paris, Gerard flieht durch dunkle Gassen, findet eine verbotene Tür und landet wieder am Anfang des Films.
Abgesehen von einigen zu langen Dialogen, einigen steifen Figuren und reingepappten Kulissen hat mir der Fim ganz gut gefallen. So stelle ich mir surrealistische Filme ohne durchgeschnittene Augen vor.
Kulissen manchmal zu sehr reingepappt.




Freitag, 2. Mai 2014

(Winsor McCay) The Sinking of the Lusitania, 1918 - 2014 April



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Ein interessanter Film. Wir landen in Winsors Atelier, es geht darum, den Untergang der Lusitania als Trickfilm umzusetzen, eine Art Dokumentation. Man erlebt bis zu einem gewissen Grad die Herstellung des Films mit; grafisch teilweise gut gemachte Shots, zwischendurch immer wieder diese tolle grafische Umsetzung wie bei Nemo in Slumberland, passt ja aber eigentlich nicht zu so einem ernsten Thema. Hat ziemliche Längen (häufig die gleichen Szenen).

Mittwoch, 30. April 2014

(Robert Rauschenberg, John Cage, Deborah Hayes, David Tudor, Robert Whitman, Oyvind Fhalstrom) 9 Evenings 2014 April



Link zur Zusammenfassung
Weitere Links
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Hatte ich mal in Berlin gesehen und jetzt wiedergefunden. Eine Serie von Performance-Abenden mit Robert Rauschenberg, John Cage, Deborah Hayes, David Tudor, Robert Whitman, Oyvind Fhalstrom in den 60ern, ziemlich schräg. Leider nur auszugsweise zu sehen: alle möglichen Geräte, die Geräusche von sich geben. Die Protagonisten sitzen in so einer Art Plastikzelt, sehr mysteriös ausgeleuchtet, mit Bergen von Elektrokabeln, Sound-Generatoren, hören hin, drehen an Knöpfen und vieles mehr. Dazu Tanz- und Performance-Einlagen, experimentelle Choreographie (also mit Freiräumen), sich bewegende Kästen mit Tänzern drauf usw.. Drum herum Publikum, das es offensichtlich nicht glaubt, was es da sieht. Die Filmqualität ist leider sehr schlecht, ist aber alles absolut sehenswert. 
Eine interessante Zusammenfassung gibt es hier.

Mittwoch, 23. April 2014

(Shirin Neshat) Turbulent - April 2014




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Shirin Neshat fand ich schon immer sehr interessant. Diese kurze Video, Teil einer Trilogie, zeigt 

im Splitscreen links einen iranischen(?) Sänger vor einem voll besetzten Haus, der voller Emotion ein Lied vor einem männlichen Publikum performt. Rechts daneben, verschleiert und zunächst von hinten, eine Frau, die nach dem Mann auftritt, vor leerem Saal. Zunächst eher konventionell beginnend, dann ein seltsames Gemisch aus Gesang, starken Halleffekten, eingeblendeten Sounds - das hört sich so an, als ob sich jemand seine Seele aus dem Leib schreien will. Schwarz-weiß, passt hier gut. 
Die gesungen Texte stammen aus Rumis Gedichte der Leidenschaft (13. Jh) , da heißt es zum Beispiel:
Wie lange kann ich klagen mit Schwermut in Herz und Seele? 
Mein Herz und Seele verbrennen in Agonie. 
Hört sich auf jeden Fall gut an; der Mann vor Männern, die diese Gesichte hören wollen und eine Fra, die sie erlebt. 

Montag, 21. April 2014

(Yves Klein) Anthropometries of the Blue Period and Fire Paintings: Two Performances (1960) , 2014 April


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Das ist dieser bekannte Film von Y. Klein; er als Pinguin, umgeben von Pinguinen und wohl situierten Damen, auf einer Malfläche drei wohlgeformte "Pinsel", die sich in blauer Farbe suhlen und ihren Körper auf Leinwände drücken. Y. Klein hat Podeste für die vorbereitet, die Modelle bemühen sich, möglichst graziös herumzulaufen und sich elegant mit Farbe einzuschmieren, der Meister kontrolliert die Drucke und flüstert den Modellen Kommandos zu. Ergebnis: diese berühmten, sehr archaisch wirkenden Körperabdrücke. Klein erläutert dann anschließend offensichtlich seinem Publikum sein Konzept (Stummfilm). Nächste Aktion: Feuerbilder, mit Feuerwehrmann und herumhopsendem Assistenten, Klein mit Krawatte und Weste mit Flammenwerfer, die Modelle werden mit Wasser besprüht, die Leinwand wird versengt, die Modelle drücken sich mit Farbe nochmals an die Leinwand. Wirkt etwas skurril, man kann aber etwas nachvollziehen, wie "modern" diese Werke für zeitgenössische Beobachter gewirkt haben müssen.

Donnerstag, 17. April 2014

(Viking Eggeling) Symphonie Diagonal - April 2014



Auch einer von den frühen abstrakten Filmen. Man sieht grafische Figuren, die an Teile von Kämmen erinnern, gebogene Linien die sich aufbauen oder wieder abbauen. Die Formen erinnern ein bisschen an Klee. Es ist so, als wolle Eggeling zeigen, dass Grafik oder Malerei aus ähnlichen Formen entsteht und wieder vergeht und man es so - als Film - gut begreifen kann. Es gibt mehrere Versionen im Netz, immer mit unterschiedlicher Musik unterlegt - das Original ist ohne Sound.

(Walter Ruttmann) Opus 1, 1921 - April 2014

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Ein Film von Ruttmann (Berlin, Sinfonie einer Großstadt); einer der der ersten abstrakten Filme in Farbe, übrigens einer von vieren. Man sieht unterschiedliche, farbige Flächen, die sich vor einem schwarzen Fond bewegen. Manchmal sind das Halbkreise, manchmal Formen wie Pinselstriche, manchmal Rechtecke, mal ganz zu sehen, mal durch eine schwarze Silhouette teilweise verdeckt. Die Farben changieren oft, die Bewegungen sind unterschiedlich schnell, manchmal fließend, manchmal die ein Pendel, manchmal sich aufblähend und dann verschwindend. Ruttmann, der ja als Maler angefangen hat, präsentiert hier so eine Art abstrakte "Malerei mit Zeit", bei der es vor allem auf Rhythmus ankommt. Unterlegt mit einer fabelhaften Musik von Max Butting, die genau das betont. Meine ersten Assoziationen dazu fand ich besonders interessant. Strukturell erinnerte mich das an die Rhythmen und Bewegungen von TV-Reklamen (Waschmittelpakete von links, fließen nach rechts unten), hier wie so eine Art Storyboard.

Mittwoch, 16. April 2014

(Marina Abramoviç) Four Performances (1975-76) - 2014 April


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Artist must be beautiful - der Film beginnt damit, dass Abramovic exzessiv ihre langen Haare kämmt, das Gesicht mitkämmt, sich mit der Bürste schlägt, insgesamt eher ein unerfreulicher Vorgang, uns immer wieder "Art must be beautiful, Artist must be beautiful" wie ein Mantra spricht, eine Selbstverletzung. Hier nur ein Auszug, Dauer 50 Minuten. Wer kann das schon aushalten?
TEIL 2, "Freeing the Voice" - kann man gut nachvollziehen, Abramovic liegt auf dem Rücken, Close Up, und "singt" oder schreit - so eine Art Übung, die man macht, um seine Tonlage zu finden, die man aber dann doch nicht findet, aber man sucht sich hier in seiner Tonlage, hat etwas Verzweifeltes. Hier nur ein Ausschnitt - das dauert mehrere Stunden, bis sie ihre Stimme verliert
Teil 3 "Freeing the Memory" - finde ich schwerer verständlich (liegt aber an der Videoqualität, in Kroatisch mit schlecht lesbarem Untertitel), eine Reihe von Wörtern von "Pickel" bis "Star" - eine Art Automatismus? Hört sich auch gequält an.
Schließlich landet man schließlich bei "Freeing the Body"; Dauer acht Stunden; Abramovic bewegt sich im Rhythmus von Bongos, nackt, mit verdecktem Gesicht, zunächst der Musik folgend, dann eher umkoordiniert, dann stürzt sie, völlig ausgelaugt, zu Boden, Film ist zu Ende.
Ihr wirklicher Körper - ohne Absichten, ohne Fähigkeiten, ohne die Möglichkeit, sich auszudrücken? Abramovic testet diese Grenze aus.
Die Filmqualität ist ziemlich lau, sehr verwaschen, unscharf. Was mir gut gefällt, sind die Großeinstellungen, die passen sehr gut zu den Themen der Performance.
Und was benz besonders interessant ist: Bei Youtube sieht man zuerst eine halb nackte Brasilianerin am Strand (genau das Thema), und wenn man sie anklickt, landet man bei "Bruzzler Bratwurst von Wiesenhof". Eine perfektere Visualisierung ihres Anliegens kann man sich schon gar nicht vorstellen.

Sonntag, 13. April 2014

(Ursus Wehrli) Herr Wehrli räumt auf - 2014 April

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Einer von mehreren Filmen zum Thema "Aufräumen". Eine total witzige Idee, eine ganze Badewiese aufzuräumen; ziemlich kurzweilig, auch wegen der lustigen Musik. Insgesamt gut gemacht, keine langweiligen Einstellungen, Alltagsgesichter und Alltagssituationen.
Eigentlich ein ernstes Thema: erstens räumen wir selbst ständig was auf, zweitens werden wir ständig sortiert. Wenn man sich unter diesem Gesichtspunkt den Film anschaut, kann einem das Lachen schon im Halse steckenbleiben - da fallen mir ständig Dinge zum Thema Sortieren ein, an die ich eigentlich nicht denken möchte.
Ca. 2 min lang, vielleicht auch als kreative Anregung für künstlerisches Schaffen.

(Robert Florey) The Life and Death of 9413 (1937) - April 2014



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Filmtechnisch interessant. Hochhäuser und Städte werden durch so eine Art Folie gefilmt; habe ich oft gesehen bei Filmen aus den 20ern und 30ern; so eine eher abstrakte Version der Metropolit-Kulissen, manchmal nicht so ganz ausgereift (ein bisschen viel Rumgewackle mit der Kamera, manche technischen Umsetzungen sind schwach).
Die Handlung wird umständlich eingeleitet (Brief) und kommentiert - in den Montagesequenzen, der Film wäre besser ohne diese Zwischentitel, da hat er wohl der Darstellungskraft seiner Shots nicht so recht getraut -, die aber gut ausgesucht sind, so z.B. in dieser Sisiphos-Szene oder in den Casting-Szenen. Star wird, wer sich hinter einer Maske verstecken kann, zum Schluss auf eine Art Smiley reduziert, wechselnde Masken und Vergleich der Masken (tolle Idee), die Masken im Lauf des Lebens (auch top!) - hat Cindy Sherman sicher auch gekannt - OK.
Hat übriges 94 Dollar in der Produktion gekostet.

Samstag, 12. April 2014

(James Sibley Watson), Lot in Sodom , 1933 - April 2014


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Die Geschichte von Sodom, Gomorrha, Lot und seiner Frau. Entspricht ungefähr der biblischen Version, ist aber ein Experimentalfilm mit interessanten Gestaltungsideen wie Doppelbelichtungen, Symmetrie-Verdoppelungen, Spiegelungen, Geisterbildern usw. Der Film ist quasi vollständig mit Chiaroscuro-Effekt ausgestattet, wie auch immer, die Beleuchtung ist top gestaltet. Der Film  enthält viele ballet-ähnliche Szenen, auch viele Montagen, das sündhafte Leben wird am Thema Homosexualität verdeutlicht, wirkt ein bisschen so wie eine Theaterinszenierung einer griechischen Tragödie. Die Maske ist manchmal etwas schwach, die alten Stadtbewohner sehen teilweise wie "Film-Juden" mit Hakennasen und Schlafzimmerblick aus, Kulissen sind meist OK außer am Schluss (insgesamt ein wenig expressionistisch, manchmal zu pappig),  Die Filmmusik passt gut (Louis Siegel  - kenn ich nicht), manchmal Fee-Jazz-mäßig. 

Freitag, 11. April 2014

(Hans Richter) Vormittagsspuk - 2014 Mai


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Richter bietet so alles auf, was die damalige Trickkiste hergab: Doppelbelichtungen, Geisterbilder, Stoptrick, Negativ, rückwärts laufende Szenen, verschwindende Personen, Zeitlupe, Zeitraffer usw., teilweise sehr gekonnt und witzig (wie z.B. die Szene mit der Fliege).
Dinge werden zu Arrangements zusammengesetzt, sie bewegen sich von selbst, wiederholen die Bewegung, die Menschen auch, verändern sich bei der Wiederholung, legen sich zu seltsamen Formen zusammen, manche Szenen erinnern von der schauspielerischen Qualität auch an Pennälerstreiche, insgesamt kontrastieren die Szenen mit den Dingen wie den Hüten mit den Menschen, denen sie nicht gehorchen. So fliegen die Hüter immer umher, aber keiner kann sie fangen. Sie setzen sich von selbst auf die Köpfe. Unlogisch? Nein, vielleicht ist das die wahre Logik der Dinge, genau die wie Dadaisten das postulierten.
Richter schreibt dazu: „Ohne es eigentlich zu wollen, wurde der Film [Vormittagsspuk ] ein echtes dadaistisches Dokument. Er zeigte Rebellion der Objekte, der Hüte, Tassen, Krawatten, Schläuche etc. gegen den Menschen. Schließlich stellte sich dann die alte Rangordnung des Menschen-Herrn über die Objekt-Sklaven wieder her. Aber für diese kurze Zeit mag doch ein Zweifel an der Allgemeingültigkeit der gewöhnlichen Subjekt-Objekt -Ordnung im Publikum eingetreten sein."

Dienstag, 8. April 2014

(Jean Cocteau) Das Blut eines Dichters, 1930 - 2014 April

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Einer der eher unbekannten surrealistischen Filme, ist jedoch im Detail m.E. besser ausgeführt als Chien Andalou oder L´age d´or. Die Shots sind länger und, obwohl sie genauso seltsam wie in den anderen Filmen sind, zusammenhängender, hat damit etwas mehr Unheimliches, könnte so eine Art Verfilmung von Situationen aus Magrittes Gemälden sein (es gibt natürlich Parallelen zu den anderen surrealistischen Filmen: ein Sinnesorgan in der Hand, verschlossene Türen, Sprung durch einen Spiegel usw.). Cocteau ist en wenig verliebt in seine Filmtricks, aber immer wieder sind gute erzählerische Strukturen zu finden (wie z.B. die Szene mit den Schlüssellöchern), einige wenige Längen (bei den Balkonszenen). Die Filmmusik ist sehr interessant, von Georges Auric aus der Groupe des Six.

Montag, 7. April 2014

(Cindy Sherman) The Doll is mine - 2014 April




Link zu Youtube

Ein interessanter Film zum Thema Cindy Sherman, die sich ja selbst nicht (zumindest nicht gerne) fotografieren oder filmen lässt. Ihre Fragestellung ist ja "können wir uns wirklich selbst zeigen?" - und dementsprechend thematisiert sie auch Rollen in Fotos, in Stills, mit Puppen. In diesem kurzen Film wird ein Teil ihrer Arbeit thematisiert: Fotografie einer Person in ihrer Rolle. Doch anders als bei den Fotos erlebt man ein Modell, das sich verändert; hier doppelt gemoppelt, weil Asia Argento gleichzeitig die Fotografin und auch das Modell spielt; beide verändern sich in ihren Rollen, der versuch, sich selbst darzustellen.  Das Modell soll femininer aussehen, so die Fotografin, die Fotografin versteht darunter Tränen, ein interessantes Selbstkonzept. Man kann sich gut auf die Personen konzentrieren, es gibt nur wenige Einstellungen. Finde ich als Konzept der Arbeit Shermans gut umgesetzt; die Musik finde ich zu lärmig (Blonde Redhead), die Schauspielerin ist super.

Mittwoch, 2. April 2014

Les Mystères du Château de Dé (1929, Man Ray) - 2014 März

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Unbedingt anschauen!
Alles ist Zufall - so der Beginn des Films. Die Kamera nähert sich einer Stadt; die Handlung der Protagonisten erscheint rätselhaft; eine Reise mit Shots aus dem fahrenden Auto, eher langweilig (Man Ray findet allerdings Autofahrten, Technik und Geschwindigkeit offensichtlich interessant, da ist er 1929 nicht der einzige). Allerdings: Man sieht, dass er sich für die wechselnden Perspektiven und Formveränderungen seiner Motive interessiert.

Schließlich landet man in einer Villa - und das ist der Hammer - in der Villa Noailles mit ihrem kubistischen Garten, 1929;

es gibt auch kurze Innenansichten mit bizarrem Kontrast zwischen Plüschsofas und Moderne. Zwischendurch immer wieder zeitgenössische Skulpturen. Der Rest ist eher etwas langweilig (Schwimmbad, irgendwelche Sportspiele), sieht man mal von einigen optischen Spielen ab (diese Zeit scheint fasziniert zu sein von Schatten und schrägen Perspektiven). Die Schauspieler wirken ziemlich unbeholfen, na ja, aber die Villa ansehen, das ist gut. 

Man Ray Le Retour à la Maison - 2014 März

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Ein ziemlich kurzer Film mit experimentellen Bildern. Manches geht kaum über Mélies hinaus, einige Einstellungen sind eher uninteressant (so der Jahrmarkt) oder zeigen deutliche Längen (wie diese dich drehenden Kartonstücke); im eigentlichen Metier ganz gut - Gegenstände auf dem Film, Zufallsstrukturen, Nahaufnahmen interessanter Details, so wie Man Ray auch sonst arbeitet; auch die Projektion von Streifen auf einen Körper am Schluss. Insgesamt doch sehr unzusammenhängend, was die Qualitäten der einzelnen Shots anbetrifft. Na gut, 1928 - da steckt das alles noch in den Kinderschuhen

Montag, 17. März 2014

Clair, René: Entracte - 2014 März


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Wirkt ein bisschen so, als wenn kleine Jungs mit einer Filmkamera spielen und alles möglich ausprobieren: rumwürfen, über Kopf filmen, Dinge bewegen sich wie von Geisterhand. Komische Perspektiven, seltsame Muster, verschwommenes Zeugs, übereinander gelegte Filme - wie überall in den 20er Jahren. Die Filmmusik ist von Satie, passt ganz gut und ist witzig. Lustige Montage mit Köpfen auf Luftballons, rennende Gruppen, Jahrmarkt, Tänzerinnen (also eher expressionistisch). Eine Szene mit einem Leichenwagen und rennenden Personen mit bewegter Kamera (war wohl modern) mit deutlichen Längen. Ist mir auch zu slapstick-mäßig;dennoch einige gute Filmideen. Und - eine hörenswerte Filmmusik von Satie.

Sonntag, 16. März 2014

Ballet mecanique - 2014 März



Der einzige kubistische Film, den ich kenne. Ständig sich bewegende Elemente, die über Spiegel, Drehungen und unterschiedliche Kamerapositionen gefilmt werden. Meist sind das irgendwelche Glaskugeln, Propeller usw., auch Menschen mit einer absolut tollen Musik von Anteil. Muss man gesehen haben.

L´ Étoile de mer - 2014 Februar


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Ganz interessant gemacht. Eine einfache Geschichte, zuerst durch so ein blasiges Glas hindurch gefilmt; man erahnt mehr etwas, als man es sieht. Dann wechselweise wieder durch das Glas, mal ohne Glas - einfache Straßenszenen, seltsame "Rituale" mit einer Tageszeitung, dann taucht ein Seestern auf, es gibt mehr Bewegung, Szenen aus einem Zug, ich glaube, die hat er geliebt, diese so entstehenden, bizarren Formen und Muster, Hafenaufnahmen, weitere Objekte, Außenaufnahmen, schließlich landet man wieder bei der Frau, in ihrem Gesicht, gezeigt in einem zerbrechenden Spiegel mit der Aufschrift "belle". Also irgendeine Affäre vielleicht mit einer Art Anfang und Ende dazwischen Assoziationen, die vielleicht etwas damit zu tun haben oder nicht, das muss jeder Freudianer für sich selbst wissen; ich fands interessant.